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26.5.2008 von sandra.
Das Motto: Erlebe eine Stadt so, als würdest Du dort wohnen.
Sonnabend.
Frisch angekommen, soll erstmal ein ausgiebiges Frühstück den Tag einläuten. Ich reise mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln, schlendere über einen urigen und noch verschlafenen Markt und lasse mich einige Seitenstraßen weiter in einem Café nieder, das vom Reiseführer empfohlen wurde. Wiener Lebensart. Sehr entspannt. Danach der obligatorische Gang durch das Stadtzentrum, der pflichtbeflissene Besuch des Stephansdoms, Abschütteln kniebestrumpfter Konzertkartenaufdrängler und Einkehr im nächsten Café. Sachertorte und Melanche. Dazu in der Zeitung geblättert. Die Meinung über den “Lieblings”nachbarn Deutschland scheint nicht sonderlich hoch zu sein. Ich quittiere das mit einem Schulterzucken. Die Straßenbahn führt mich vorbei an berühmten Prachtbauten vor denen sich Touristen drängeln und hin zu meiner Unterkunft in einem Gewühl von Seitenstraßen, die eine ganz andere Seite der Stadt zeigen. Erstmal Kraft tanken. Abends verspeise ich Landestypisches und genieße ein kühles Bier, bevor ich ins Kino gehe.
Sonntag.
Die Sonne scheint. Ich sitze im Weinberg und trinke einen frischen Gespritzten. Der Blick schweift in die Ferne - hinunter ins Tal auf Stadt und Donau. Alltag ist vergessen, Urlaubsstimmung macht sich breit. Ich strecke mich und rutsche mich auf der Biergartengarnitur zurecht. Eigentlich könnte ich jetzt ganz touristisch durch die Innenstadt hetzen, das Schloss besichtigen, die historischen Gebäude ablaufen. Stattdessen genieße ich Wortfetzen österreichischer Mundart um mich herum und spiele Karten. Später ein Konzertbesuch im Gasometer. Auch schön, das mal gesehen zu haben.
Montag.
Shopping. Nach dem obligatorischen Besuch im Saturn kommt der kleine Plattenladen um die Ecke dran. Viel Landestypisches. Sehr interessant. Danach liege ich mit einer Flasche Wein im Praterpark. Leute beobachten, Lesen, Karten spielen, die Frisbee-Scheibe auspacken. Total entspannt. Zum Abschluss genehmige ich mir eine Käsekrainer im Hotdogbrot und dann geht es zurück nach Hause und in den Alltag.
Das Fazit: Gerne wieder.
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14.5.2008 von sandra.
Das Motto: Warum die Stadt besichtigen, wenn man auch ins Aquarium gehen kann?
Montag
Nach der Ankunft winkt erstmal ein kleiner Stadtrundgang zum Hafen hinunter und die Einkaufsmeile hinauf. Zwischenstop am Dom und in einem urigen Café. Abends beim Essen in offizieller Runde erfahre ich viel Landestypisches. Das erste Mal Rentier. Es schmeckt einfach phantastisch. Der Wein ist delikat, aber - wie alle Alkoholika - überteuert.
Dienstag
Langsam schlendere ich gen Dom, der von außen majestätisch auf mich herunterblickt. Sein Innenleben jedoch enttäuscht. Touristen machen Fotos und ich mich schnell von hinnen. Der kleine Markt am Hafen schäumt über mit Kitschständen und Touristen. Ich halte mich abseits und löse ein Ticket gen Suomenlinna, einer Festung vor Helsinki. Dort schlendere ich durch die Gegend, verweile am Meer, lese mein Buch und genieße die Natur und die Nähe zum Wasser. Den Abschluss meines touristischen Streifzuges bildet ein Besuch im Aquarium, das mich sehr beeindruckt. Abends Pizza, Bier und Tischfußball in einer Bar um die Ecke.
Mittwoch
Ein müder Blick durch den Vorhang verrät: bereits morgens um 3 Uhr ist es hell. Das Frühstück ausgiebig. Pflichtprogrammpunkt: Felsenkirche. Danach ein Spaziergang, Café und shoppen.
Fazit: Helsinki ist eine Reise wert. Gerne wieder.
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12.5.2008 von sandra.
Das Motto: Erlebe das Land als hättest Du dort mal gewohnt
Dublin
Kaum sitze ich im Mietwagen, fühle ich mich wieder wie zu Hause. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kann ich langsam entspannen und spüre erste Freude aufkeimen. Freunde treffen, Essen gehen, dann noch auf zwei Pint ins typisch irische Pub. Während des Frühstücks am nächsten Morgen stellt sich schon erste Unruhe ein. Voller Erwartung steuere ich den Wagen einmal quer durchs Land. Mit jedem Meter fühle ich mich sicherer und heimischer.
Kilmurry
Direkt nach der Ankunft zum Kinder bespaßen abgeordnet. Seifenkiste schieben um die Grünfläche. Die Taschen stehen noch gepackt im Flur. Es ist herrlich warm. Dann ein Barbecue bei Bekannten. Selbst hergestellte Würste, leckeres Essen, viele Kinder, Spaß und Spiel. Ein toller Nachmittag.
Strand und Streichelzoo
Wir fahren zum Streichelzoo. Direkt an den berühmten Cliffs. Aber wer will da schon hin, wenn er zum Streichelzoo kann? Das Lama entreißt die Futtertüte, der Kleine isst das Futter lieber selbst. Es gibt viel Geschrei. Erste Entspannung am Spielplatz. Alle sind beschäftigt. Den Höhepunkt bildet ein Tretautorennen. Danach Abkühlung am Strand. Noch Klamotten an? Egal, hauptsache ins Wasser. Kälte und Hunger und die Ohren schrillen vom Gekreische. Cool bleiben, abtrocknen, verpacken und abfüttern. Ruhe. Abends Kino. Zeit für Zweisamkeit.
Galway
Freundin treffen, an der Bay spazierengehen, Mittagessen, die letzten irischen Filme shoppen, Irish Coffee trinken… Perfekt. Die Rückfahrt mitten im Berufsverkehr. Daran hätte ich mich erinnern müssen…
Ennis
Nach einem kurzen Abend im Pub mit typisch irischer Livemusik und Cola mit Eiswürfeln, bei deren Genuss einem erst zu spät einfällt, dass Ennis seit längerem ein Wasser-/Abwasserproblem hat, verbringe ich nochmal einen Nachmittag in Ennis. Taco Fries im Abrakebabra sind ein Muss, verzehrt während man mit baumelnden Füßen am Fluss sitzt. Dann ein Rundgang durch die Stadt und die kleinen Gäßchen. Ein kurzer Abstecher ins liebgewonnene Wohngebiet. Viel verändert hat sich nicht.
Bunratty
Ein Schloss, ein Volkspark, 2 Kinder. Das eine schmiert sich Sonnenmilch ins Auge, das andere hat seine 5 Minuten, beide sind kaufsüchtig und bitter enttäuscht als es nichts gibt. Ansonsten ist es ein toller Ausflug. Alte Häuser, irische Geschichte, Sandwich, Spielplatz, Eis, ein Kuhfladen, gut bekletterbare Landmaschinen, Blumen für die Mutti, Zuckerketten für die Kinder, nichts für mich.
Abends gehen wir schick essen. Die Esskultur in Irland ist anders als hier. Man geht selten essen, aber wenn, dann richtig. Wir haben uns ein schönes Restaurant in Bunratty ausgesucht und Wochen vorher reserviert. Die Begrüßung ist sehr locker und freundlich. Im Vorraum nehmen wir einen Aperitif, wählen unsere Speisen und werden als es losgeht, zum Tisch gebracht. Die Vorspeise ist köstlich. Muscheln in einer Weißweinsoße. Als Hauptspeise Fisch. Dazu gibt es Gemüse und eine schmackhafte Soße. Als Nachspeise nehme ich Rhabarberkuchen. Ich schmelze dahin. Ein Irish Coffee bildet den krönenden Abschluss. So viel Geld habe ich noch nie für ein Essen ausgegeben, aber wert war es das auf jeden Fall…
Birr
Auf der Rückfahrt in den Osten ein Halt in Birr. Im Park wandeln, das Teleskop bestaunen, das Museum besuchen. Eine sehr schöne Anlage. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit zur Verfügung. Ein letzter Abend in Dublin. Crispy Roast Duck beim Chinesen. Ein letztes Muss auf dieser Reise. Die Nacht fast komatös. Entspanntes Aufstehen läutet die Heimreise ein. Das letzte Frühstück schmeckt ganz besonders gut…
Fazit: Kinder sind ganz schön anstrengend und die Zeit war zu kurz.
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28.3.2008 von sandra.
Wir sind nur zu dritt. Es herrscht eine herrlich entspannte Stille. Noch leicht verschlafen reibe ich mir die Augen und erledige die Dinge, zu denen sonst kaum Zeit bleibt. Denken zum Beispiel. Unliebsames und Aufgeschobenes abarbeiten. Draußen scheint die Sonne und das Wochenende winkt. Müdigkeit steckt in meinen Gliedern und ein Kaffee wäre wohl genau das Richtige. Aber der muss erst gekocht werden und dafür ist mir die Zeit zu schade… Sich ordnen und arbeiten. Das ist die Devise. Schnell noch ein paar operative Dinge erledigt, bevor ich mich in die Denkaufgaben stürze. Und ein paar Stunden später früh ins Wochenende. Gerade dann, wenn am meisten los ist. Eine große Überwindung. Aber eine die zu schaffen ist, im Angesicht des Wochenendes das winkt….
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17.1.2008 von sandra.
Mit klopfendem Herzen starre ich auf die Uhr. Hätte vor 2 Minuten gegangen sein wollen. Busse sind unberechenbar. Fliegenden Mantels eile ich die Straße entlang. Kein Grund sich aufzuregen, der Bus ist verspätet - und wie. Unruhe keimt auf und benebelt das Hirn. Ein Gedanke blitzt auf: wie organisiere ich in der Kürze der Zeit die Beschaffung aller Fahrkartenbestandteile? Dieser wird vom viel größeren Gedanken verdrängt: wo ist meine aktuelle Bahncard? Aus dem Portemonnaie grinst mich die alte an. Die Suche wird vertagt. Zu kurz ist die Strecke als dass große Einbußen zu beklagen wären. Der regelmäßige Blick zur Uhr führt zu unwillkürlichem Antesten der Beinmuskeln. Schnell die Treppen hoch, 2 Stufen auf einmal. Am DB-Automaten erneut die Frage: wie organisiere ich die Beschaffung der Fahrkartenbestandteile? Warum habe ich das Problem nicht schon auf der Fahrt gelöst? Harburg bis Tostedt? Nein. Hauptbahnhof bis Harburg? Nein! Konzentration! Mit lange ungeübten Fingern drücke ich auf die Tasten. Abbruch. Erst der HVV-Automat. Ergänzungskarte. 3 Ringe. Das hätten wir. Nächster Versuch am DB-Automaten. Ha! Tostedt bis Lauenbrück. Endlich. Wie bezahlen? Die Finger zittern, die Zeit verrinnt. Nicht genug Kleingeld. Visakarte. 2 Ausdrucke. Ich warte, zerre und ziehe. Renne, springe, schlüpfe, drängle, schwitze, sitze, schwitze, wühle, höre, lehne.
Und schon bin ich gefangen in der Vergangenheit. Vertraute Haltestellen. Aussteigen in Lauenbrück. Umgebaut. Etwas neues. Neu ist gut. Neues Auto. Gut. Altes Haus. Hmm. Alles wie immer. Unwillkürlicher Blick auf den Poststapel, ich strecke die Hand aus, bereit zum Durchwühlen. Als die Erkenntnis keimt, ziehe ich sie erschrocken zurück. Meine Post ist schon lange nicht mehr dabei. Der Geruch gleich. Moderig. Staubig. Unwillkürliches Husten. Ein paar Bier. Auch das hat sich nicht geändert. Vertrautheit, die aus allen Ecken zu kriechen scheint und mich umfängt. Den Weg zum Bad nicht verlernt. Blind finde ich jeden Schalter. Das Fehlen meiner Zahnbürste irritiert, aber nur kurz. Schnell noch ein paar Sachen packen. Lang vergessene und nicht gebrauchte Relikte aus einer anderen - viel weniger glücklichen Zeit. Aber über Glück denke ich heute Abend nicht nach. Einkehr in der einzigen Kneipe. Ein Hawaiibaguette, der alten Zeiten willen. Rauchen tut hier keiner mehr. Das ist neu. Der Weg zum Zug erstmalig in Begleitung? Kann sein. Das ist neu. Der DB-Automat funktioniert nicht. Das ist alt. Im Zug zurück denke ich über den Abend nach. Meine Kleidung hat den Geruch angenommen, wie mein Hirn die alten Erinnerungen, die mit langen Fingern nach mir greifen. Und doch war der Besuch positiv. Ein bißchen wie nach Hause kommen. Irgendwie. Und doch, als ich die Tür zu meinem ganz neuen Zuhause schließe, bin ich froh und lasse die Vergangenheit hinter mir. Zumindest bis zum nächsten Besuch…
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9.1.2008 von sandra.
Wohnen. Schlafen. Essen. Einkaufen. Einrichten. Planen. Umziehen. Für zwei denken. Für zwei planen. Für zwei einkaufen. Sich nicht verabreden, sondern zu Hause treffen. Sich abstimmen. Sich helfen. Teilen - Ideen, Gegenstände, Essen, Wohnraum. Aufeinander achten. Gemeinsam - anpacken, lachen, putzen, spielen, einladen. Mehr wir als ich. Mehr unser als deins. Die Herausforderung hoch. Die Umstellung groß. Der Weg geebnet. Zusammen ist jedes Ziel zu meistern.
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12.11.2007 von sandra.
Schier fassungslos saß ich gestern in meinem Kinosessel. Ich hatte mich sehr auf die Preview von Free Rainer gefreut. Gerade weil mir das Thema ganz persönlich am Herzen liegt. Doch was ich da zu sehen bekam, sprengte die Grenzen der Geistlosigkeit und erhob diesen Film zum Schlechtesten was ich je gesehen habe. Die Klischees: alle Leute beim Fernsehen koksen und fahren schnelle Autos, Vorstände residieren in palastartigen Büros und fahren Kickboard, Arbeitslose sind entweder Ausländer, Knackis, Säufer oder religiös und einen Wohnsitz oder ein nennenswertes Privatleben haben sie auch nicht. Die Story: Ein TV-Produzent hat durch einen Autounfall eine Erleuchtung und erklärt sich zum Weltverbesserer. Auf abstruse Weise manipuliert er die Einschaltquoten, sodass die Sender gezwungen sind, anspruchsvolles Programm auszustrahlen. Dies führt zu einem deutschlandweiten Erwachen und plötzlich sitzen alle im Park und lesen Bücher. Die Umsetzung strotzt nur so vor Unlogik, aufgesetzter Dramatik und Plätte die zum Himmel schreit. Der Hauptdarsteller Rainer (Moritz Bleibtreu) ist TV-Produzent und arbeitet beim Fernsehsender. Allein diese Konstellation ist heutzutage so überholt wie unrealistisch. Die wenigsten Fernsehsender produzieren selbst, sondern lagern aus und beauftragen Produktionsfirmen. Rainer hat einen Autounfall, den er schwerverletzt überlebt. Und plötzlich hat er eine Eingebung und erkennt, dass er ein böser Fernsehmacher ist. Ich frage mich, woher diese Erkenntnis kommen soll. Wer jahrelang voller Überzeugung in seinem Job arbeitet und Millionen scheffelt, wird doch nicht von heute auf morgen ohne besonderen Grund alles in Frage stellen! Und schon garnicht Auto und Wohnung verkaufen, das Geld in einem Köfferchen mit sich herumtragen und wahllos für undurchdachte Projekte verprassen. Nein. Wer es soweit gebracht hat, dürfte über ein höheres ökonomisches Grundverständnis verfügen und sein Geld sinnvoller anlegen - auch und gerade wenn er die Welt verbessern möchte. Dann ist da noch die Hauptdarstellerin (oder auch Quotenfrau), die die ganze Zeit wie ein scheuer Hund durch die Gegend läuft und alle paar Meter einen vorwurfsvollen Blick in die Kamera wirft. Hier und da bricht sie auch weinend zusammen - alles immer schön in Nahaufnahme, dass man jede Träne sieht. Sie spricht reichlich wenig und wenn, dann nur bedeutungsschwangere Sätze, wie: “Bei allen Revolutionen fingen die Probleme mit dem Geld an.” Diese sind dann von Klaviermusik unterlegt, um ihnen mehr Bedeutung zu verleihen. Genau genommen verzerren sie das gesamte Szenario zu einer Groteske, die Ihresgleichen sucht. Eine weiterführende Bedeutung für den Film hat die Dame nicht. Man hätte die Rolle auch komplett streichen können und hätte dem Film damit sicherlich einen großen Gefallen getan.
Doch abseits aller Unlogik, mit der ich hier Seiten füllen könnte, hat mich eine Sache am meisten enttäuscht: Hans Weingartner, seines Zeichens gleichzeitig Drehbuchautor wie Produzent, hat sich nicht die Mühe gemacht, für den Film zu recherchieren. Die einzige Tatsache auf die er sich berufen hat, war die Entstehung der Fernsehquoten. Um diese herum hat er seine eigenen Theorien über Medienwirkung und Massenpsychologie geflochten, im Film seine unqualifizierte Meinung in Tatsachen verwandelt und zum Dogma erhoben. Und er hat damit genau das gemacht, was er in diesem Film anprangert: Schrott - wenn man ihn nur nett verpackt, als etwas Gehaltvolles zu verkaufen, kleine Anhaltspunkte in Tatsachen zu verwandeln und massenwirksam zu machen, damit sich damit viel Geld verdienen lässt. Aber sich einmal hinzusetzen, zu recherchieren, sich beraten zu lassen und zu versuchen, das Thema in ein großes medienkritisches Werk zu verwandeln, war ihm wahrscheinlich zu anstrengend (oder zu teuer? - schließlich fingen bei allen Revolutionen die Probleme mit dem Geld an).
Weingartners Auftritt nach der Vorstellung passte perfekt zum Film. Völlig demotiviert stand er vorm Publikum und fand genauso wenige Worte für sein Werk, wie er Gedanken in selbiges investiert hatte. Er sah aus, als hätte er just 2 Minuten vorher seinen letzten Joint geraucht und murmelte sinnlos, er hätte mit dem Film eigentlich nur ausdrücken wollen, dass man auch mal den Fernseher ausmachen soll. Zumindest das Ziel wird er erreichen - spätestens wenn sein Film auf dem RTL’s Abfallsender VOX gezeigt wird (an den Weingartner ihn schon längst verkauft hat - sicherlich weil er für die Öffentlich-Rechtlichen zu banal und geistlos war, um dort ausgestrahlt zu werden)…..
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23.10.2007 von sandra.
Dumpfes Pochen im Hintergrund. Ich kneife die Augen zusammen und schüttle leicht den Kopf. Es klopft weiter, stetig, bohrend. Ich suche mir einen Fixpunkt in der Ferne und merke, meine Augen wollen kaum fokussieren, mögen die 50 cm auf die sie seit Stunden eingestellt sind. Ich reibe mir die Stirn und erzeuge einen leichten Gegendruck. Das Klopfen steigt an. Als wäre jemand gegen seinen Willen in meinem Kopf gefangen, drückt er gegen Augen und Stirn. Meine Bildschirme leuchten mich an. Sie scheinen mich auszulachen, mich, die ich an den Stuhl gefesselt vor ihnen sitze und ratlos den Kopf wiege. Jede erdenkliche Tätigkeit die mir einfiele und mich voran brächte, hat mit ihnen zu tun und führt meine Augen sukzessive an den Rand des Flimmerns. Immer wenn ich telefonieren möchte, steigt der Lärmpegel hier im Raum. Konzentration erforderlich, doch immer schwerer zu erreichen. Ein Kaffee, der gute Vorsatz, endlich mal mehr zu schlafen und nur noch 2 Stunden Arbeit vor mir. Fast schon Routine.
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4.10.2007 von sandra.
Almuth steht im Wohnzimmer der Dethlefsens und holt zu ihrem letzten Coup aus. Sie ist voll in Fahrt und kann es kaum erwarten, Frau Dethlefsen ihre feministischen Ansichten um die Ohren zu hauen, deren unsympatischen Mann in die Schranken zu weisen und sich einmal mehr für Gerechtigkeit gegenüber dem allseits unterschätzten schwachen Geschlecht einzusetzen. Doch gerade als sie ihren ersten Satz hübsch betont, überzeugend und voller Kraft hervorgebracht hat, geschieht etwas Unerwartetes. Beziehungsweise, es geschieht nicht! Herr Dethlefsen, der just in diesem Moment zur Tür hätte hereinkommen müssen, kommt einfach nicht! Unsicher kramt Almuth in ihrem Textrepertoire und besinnt sich auf den Grund ihres Kommens. Frau Dethlefsen müsse unbedingt zur Eröffnung kommen, damit sie den Besuchern zeigen kann, wie gut sie sticken kann! Ein kurzer Dialog folgt, doch dann ist auch hier das Ende der Sackgasse erreicht. Almuth lässt mich im Stich. Verabschiedet sich noch kurz und macht sich daran, das Wohnzimmer zu verlassen. Und ich? Ich stehe auf einer Bühne vor Menschen, die mich eben noch gelobt haben und zittere am ganzen Körper. Fast möchte ich hysterisch auflachen, fast mich Almuth anschließen und einfach abgehen. Doch was dann? Das ganze Stück wäre verloren. Die süße Illusion zerstört. Bemüht beiße ich die Zähne zusammen und versuche, Almuth zurückzuholen. Die Souffleuse unterstützt und flüstert mir Text zu. Ich nehme ihn auf wie ein Ertrinkender der nach einer Planke greift, lege ihn Almuth in den Mund und bringe ihn mit schwankender Stimme hervor - bis ich merke, dass ich den Satz eigentlich schon gesagt hatte. Gezwungen lachend wiegele ich ab, fordere Beteiligung von meinem Gegenüber. Doch sie ist genauso verloren wie ich. Bis endlich die Tür aufgeht und Herr Dethlefsen hereinkommt. Almuth hat sich in die Tiefen meines Hirnes zurückgezogen. Ist beleidigt, lustlos, will nicht mehr. Und ich hangele mich durch die Szene, der Ohnmacht nahe. Würde am liebsten verschwinden und alles vergessen. Endlich fertig, renne ich hinaus, möchte alles hinter mir lassen, Almuth den Rücken kehren, die Schauspielerei vergessen. Wie gehetzt laufe ich meine Kreise, versuche, das Desaster positiv zu sehen, mir Mut zu machen, meinen Puls herunterzubringen. Applausordnung. Schwache Beine tragen mich ohne Überzeugung an den Bühnenrand, erzwingen eine Verbeugung, während meine Augen verschämt Bodenkontakt suchen. Kopfschüttelnd begegne ich der Öffentlichkeit. Und die scheint von alledem nichts bemerkt zu haben! Etwas zu leise sei ich gewesen, sonst war es toll, vernehme ich die Stimmen. Ein Kenner meint, an einer Stelle hätte ich einen Satz ausgelassen - aber sonst…. Einen Satz? Wir haben fast eine ganze Szene übersprungen! Meine Stimme hat gezittert - ich habe es genau gehört! Der ganze Akt war eine reine Katastrophe! Und es ist kaum aufgefallen? Mut kann ich aus dieser Wendung nicht schöpfen. Unaufhörlich pulsiert in mir die Frage, wie realistisch ich einen Charakter verkörpern kann, wenn dieser nur auf wenige Sätze beschränkt ist und so sehr an Stichworten hängt. Bin ich zu unprofessionell, dass ich mich nicht von den Strängen des Textes lösen und dem Charakter entsprechend frei improvisieren kann? Warum habe ich so schnell den Kontakt zu Almuth verloren? Habe ich sie mir doch noch nicht ganz zu eigen gemacht? Wie kann ich sie halten und an mich binden? Werde ich den morgigen Abend überstehen? Schlucken, Augen zu und durch - und diesmal mit und als Almuth. Die ganze Aufführung. Versprochen.
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23.9.2007 von sandra.
Elbtunnel. 1975 gebaut. 1.056 m davon liegen unter dem Flussbett. Teilweise 28m unter der Wasseroberfläche. Wieviele Tonnen Wasser dort wohl draufdrücken? Was passiert, wenn Schiffe den Tunnel kreuzen? Die machen das Wasser doch noch viel schwerer! Wie haben die den nur gebaut? Ungläubig schüttelt sie den Kopf. Sowas hat sie noch nie gesehen und die Dimensionen sind weder greif- noch fassbar. Die Alster. Mitten in der Stadt ein See? Sogar mit einer Schleuse. Fasziniert beobachtet sie, wie ein Touristendampfer aus einem Seitenarm kommend über die Schleuse auf Höhe des Alstersees gebracht wird. Das Rathaus wunderschön. Wie bestellt singt ein Chor. Nach einem Kaffee der erste überirdische Kontakt mit der Elbe. Touristen tummeln sich und Landschaften ziehen vorbei. Und das einfach ohne extra zu bezahlen? Auf dem Weg zum nächsten Highlight betrachtet sie die Graffitis in der Hafenstraße. Hier wird auch gemalt. Das scheint ja heutzutage üblich zu sein. Dann ein Cocktail in der Tower Bar. Der Erste Ihres Lebens. Bei einem herrlichen Blick über Hamburg genießt sie den erfrischenden Geschmack. Auch mein Caipirinha schmeckt ihr gut. Beim Essen im Laufauf ist sie schon so geschafft, dass sie am liebsten direkt ins Bett fallen würde. Die Heimfahrt durch die Schanze wird durch Krawalle und Straßensperren verhindert, also ein Umweg über die Reeperbahn. Müdigkeit verringert den Schock.
Brunch im Café Oktober. Der Teller bleibt weitestgehend leer. Sie ist so vollgestopft mit Eindrücken, dass kein Platz mehr für Essen ist. Eine Fahrt im Cabrio, ein Spaziergang durch die Speicherstadt. Das Highlight ist eine Barkassenfahrt. Vorbei an riesigen Containerschiffen, deren Wände wie Mauern aufragen. Sowas hat sie noch nie in ihrem Leben gesehen. Sie ist so überwältigt, dass sie ganz still wird und Schwierigkeiten hat, dem aktuellen Geschehen zu folgen. Und wieder beschäftigt sie der Elbtunnel. So ein Bauwerk. Unglaublich! Dass das nicht zusammenbricht! Auf die Frage, wie ihr das Wochenende gefallen hat, kann sie nicht antworten. Ihr Kopf ist voll von all diesen faszinierenden überdimensionalen unfassbaren und beeindruckenden Dingen. Das muss sich alles erst einmal sortieren und einrasten.
Mit 83 eine fremde Stadt entdecken. Mit 83 Dinge erleben, die man noch nie zuvor gesehen oder gemacht hat und von denen man vielleicht nichtmal wusste, dass es sie gibt. Dinge die mir ganz selbstverständlich vorkommen. Es war schön, sie zu Besuch zu haben und schön, sie beim Erleben all der Dinge zu begleiten. Ich hoffe, sie kommt bald wieder.
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