Archive für März 2007

Der Ruf der Heimat

Tönt mit deutlich zunehmender Vehemenz und zieht mich magisch an. In den Schoß der Familie fallen und mich geborgen fühlen, Geburtstage feiern und Freude verbreiten, Freunde und Geschwister treffen und durch Kneipen ziehen. Über Felder joggen, in der Sonne liegen, vielleicht sogar die erste Bratwurst des Jahres genießen. Schönes Wochenende!

Nachts an der Elbe

Kaum komme ich aus der S-Bahn Station schlägt mir Hafenluft entgegen. Tief sauge ich sie ein. Der Abend lau, die Kleidung dick, mein Schritt beschwingt. Ich stelle mich an den Bootsanlegesteg und beobachte die Ferne des Wassers, die Manöver der Schiffe, die umstehenden Wartenden. Auf dem Schiff stehe ich ganz vorne, lasse mir den Wind um die Nase wehen und genieße wie die Stadt an mir vorüberzieht. Dann der Weg zum Strand. Erstes Grillen schon im März. Vereinzelt Lagerfeuer. Ausgelassenheit u Gesänge. Ich liege einfach nur da und betrachte den Himmel. Der Sand noch kalt. Die Bäume ohne Blätter. Sehr skurril aber umso schöner. Aufwärmen beim Spaziergang entlang plätschernden Wassers, Fischmanufakturen und dem geschäftigen Brummen des Industriehafens. Mein Cocktail von Salsamusik begleitet. Der Abend viel zu kurz. Kann man eine andere Stadt mehr lieben als diese? Hamburg meine Perle.

Fast schon Sommer

Joggen um die Alster. Anfänglich noch stockend, gebe ich mich meinem Rhythmus hin und genieße den Blick auf das Wasser, das glitzernd ans Ufer plätschert. Überall sitzen Leute und genießen die Abendsonne. Diese blendet mich. Mit zusammengekniffenen Augen und warmem Strahl im Gesicht kämpfe ich mich durch die Pulszonen. Fühle mich erstaunlich fit und entscheide, hier öfter laufen zu gehen. Erinnerungen an den letzten Sommer werden wach. Grillen am Elbstrand, Nachmittage lesend an der Alster, Spaziergänge im Stadtpark. Ich verlasse die letzte Brücke und laufe entlang der Bootsanlegestege. Im langsam untergehenden Sonnenschein komme ich mir vor wie ein Tourist, der im Urlaub an der Promenade spaziert - kurz nach einem Tag in Wasser und Sonne und vor einem leckeren Abendessen. Die Haut noch warm und leicht gerötet drückt sich gegen das T-Shirt. Ein paar Gläser Wein und entspannte Gespräche. Und immer ein Lächeln im Gesicht. 55 Minuten. Viel zu früh und viel zu fit. Das Dehnen meines erhitzten Körpers im Abendrot läßt mich die kühle Frühlingsluft vergessen. Es fühlt sich an wie Sommer.

Zurück im Wahnsinn

Der Alltag hält Einzug. Kleine Dinge, die die letzte Woche zur Erinnerung verblassen lassen. Der tägliche Wahnsinn greift um sich, krallt mit kalten Fingern nach vergangenen Annehmlichkeiten. Bloße Worte, die die Gelassenheit zerstören. Hohe Politik. Greifen nach Strohhalmen. Freizeit wird zum Anker. Nur noch eineinhalb Wochen, dann ist es endlich vorbei. Durchhalten ist die Devise und ja nicht die Nerven verlieren.

Jede Abreise ist ein bißchen wie Sterben

Ein Kind das den ganzen Abend am Hosenbein klammert. Streit um den besten Platz auf dem Schoß. Ringen nach Antworten auf die Frage nach dem Warum. Ein letztes Mal ins Bett bringen. Die letzte Geschichte. Tröstende Worte, die wohl eher an sich selbst gerichtet sind als an die Kleinen. Das letzte Mal drücken und kuscheln. Versprechen, morgens nochmal reinzukommen. Den Geruch einsaugen. Die weiche Haut mit Fingern und Lippen fühlen und wissen, dass man sie schmerzlich vermissen wird. Kinderlachen, Dummheiten und Eigenheiten, die einen durch die Nacht verfolgen und ein Schmunzeln übers Gesicht jagen. Erfolglose Versuche, die Zeit an- und den Moment festzuhalten. Schlaf unmöglich. Ein letztes Mal durchs Haus wandern. Über schlafende Köpfe streichen und liebe Worte flüstern. Die Hunde verabschieden. Das Haus schleichend verlassen und wissen, dass dort in 2 Stunden das Leben ohne mich weitergehen wird. Das Abheben des Flugzeugs besiegelt die Reise. Tränen kaum aufzuhalten. Schonzeit in Dublin. Spätestens wenn ich die Insel endgültig verlasse, gleichen meine Augen dem Ozean unter mir. Nass und salzig.

Abriss

Die Krankheit ereilte mich Mitte der Woche und sorgte für einige Erleichterung - im Magen und in der Seele. Mit meiner Genesung kam das schöne Wetter, sodaß wir Freitag einen herrlichen Tag in T-Shirt und Sonne verbringen konnten. Spielen im Sand, spazieren inmitten irischer Landschaft, Flanieren durch Ennis, Glückshormone, Ruhe und Zufriedenheit, viel Zeit mit Buch und Kindern. Das perfekte Familienleben. Allzu früh von meiner Abreise unterbrochen.

Vorfreude, schoenste Freude…

Jedesmal wenn ich zu meiner Familie komme, erwartet mich diese mit einem Geschenk das ich mit nach Hause nehmen und an dem ich mich erfreuen kann. Die letzten zwei Male waren es Erkaeltungen, die mich lange verfolgt und in einem Fall sogar zum Abbruch meiner Tauchpruefung gefuehrt haben. Diesmal ist es ein Magenvirus. Ich weiss, dass ich davon ausgehen kann, infiziert zu sein. Ich weiss, dass er in den naechsten Stunden/Tagen seine Arbeit in mir beginnen wird. Ich weiss, dass ich nicht davonkommen werde. Die Frage ist nur, wann geht es los? Die Uhr tickt, die Stunden verrennen, regelmaessig pruefe ich mein Magengefuehl. Jeder Bissen wird von der Frage begleitet, ob ich ihn wiedersehen werde. Es ist ein unbeschreibliches Gefuehl des Ausgeliefertseins. Und trotzdem schwelt irgendwo die allgegenwaertige und doch truegerische Hoffnung, verschont zu bleiben. Hmmm, wie lange noch?

Paddy’s Day in Galway

Heute ist St. Patrick’s Day. Wir bahnen unseren Weg über regennasse Straßen quer durch Irland. Der Scheibenwischer läuft auf Hochtouren und macht wenig Hoffnung auf einen angenehmen Urlaub. Doch sobald wir da sind, geht es mir schlagartig besser. Meine alte Heimat. Alles so vertraut. Ich springe aus dem Auto. Nur mit einer Weste und Handschuhen. Dünner Fadenregen befällt mich zur Begrüßung. Wie damals lege ich keinen Wert auf Mütze oder Regenschirm. Warum auch. Trocken wird man immer irgendwann – und wenn’s im Pub ist, umso besser. Auf dem Weg zum Pub freue ich mich an der Umgebung. Erinnerungen stürmen auf mich ein. Dort hatten wir mal auf der Wiese gelegen. Dort einen Weiberabend gemacht. Hier bin ich vor Liebeskummer zusammengebrochen. Dort mit Áine an der Hand spazieren gegangen. Heute sind viele Iren unterwegs. Die meisten grün und orange gekleidet und betrunken. St. Patrick’s Day. Die große Parade haben wir verpasst. Alles Weitere ist nur noch trinken und feiern. Wo ein solcher Feiertag in Deutschland ein riesenhaftes Volksfest auslösen würde – inklusive Bühnen, Bands, Buden, Karussells und Feuerwerk, ist hier keine Spur davon zu sehen. Wir kehren in ein Pub ein. Seit dem Rauchverbot riecht es besser, aber auch nicht immer angenehm. Heute ein großes Rugby-Match. Irland führt haushoch. Die Stimmung ist gut. Eine Gruppe Männer singt. Unterhaltung unmöglich. Ich trinke, schaue Rugby und genieße es, hier zu sein. Bald sind wir zu dritt. Ziehen uns in ein Café zurück, um uns gegenseitig auf den aktuellen Stand zu bringen. Abendessen  außerhalb von Galway. Ein Pint hinterher. Wieder ein erster Hauch von Entspannung und Glück.

Abends im Pub

Noch immer steckt mir der Druck der letzten Wochen in den Knochen. Wir treffen ein paar Leute im Pub. Ich trinke mein erstes Pint. Smalltalk mit Marions Freunden. Eingetaucht in eine englisch sprechende Welt. Ich funktioniere automatisch. Bin immer noch gestresst und suche noch immer meinen Weg heraus aus den kreisenden Gedanken um Zukunft und Job. Vielleicht klappt es ja morgen.

Dublin.

17:40 Uhr. Flughafen Dublin. Wind, Kälte, leichter Regen. Meine erste Herausforderung: eine Busfahrt bis zum Haus meiner Freundin. Es gibt keinen besseren Weg, um mit der irischen Lebensweise und den irischen Verkehrsbedingungen vertraut zu werden. Wo ich mich in Deutschland einem unglaublichen Gedränge und Kampf um Zugang zum sowie Sitzplatz im Bus gegenüber gesehen hätte, geht hier alles sehr ruhig vonstatten. Leute hieven ihre schweren Gepäckstücke durch die schmalen Türen. Der Fahrer sitzt in seiner kleinen Kabine, kassiert, überwacht und organisiert und findet sogar Zeit, Fragen nach dem Reiseziel zu beantworten. Ich finde schnell einen Platz für meinen Koffer und setze mich ans Fenster. 10 Minuten später geht die Busfahrt los. Das Besondere und für mich und sicherlich viele Deutsche Unglaubliche am Dubliner Verkehrssystem ist wohl, dass Haltestellen nicht beschriftet sind. Der Bus hält ca. alle 3 Minuten irgendwo an einem kleinen Schild, das auf eine Haltestelle hindeutet. Keine Überdachung (obwohl die in diesem Land wohl so nötig wäre), keine Beleuchtung, keine Bezeichnung, nichts. Wer einsteigen will, muss 1. wissen, welche Buslinien an gerade dieser Haltestelle halten und 2. dem Bus winken, damit er anhält. Wer aussteigen will, muss sich gut in Dublin auskennen oder den Fahrer bzw. Mitfahrer fragen, woran man die Haltestelle erkennt. Meine Fahrt dauert eine Stunde. Meine Haltestelle liegt in dunkler Straße ohne markante Erkennungspunkte. Alle sind hilfsbereit, fragen mich, wo ich hinmuss, sagen mir wann ich aussteigen muss, bedeuten dem Fahrer, er solle noch warten, bis ich meinen schweren Koffer durch den Gang navigiert habe. Dann schließen sich die Türen hinter mir und der Urlaub kann beginnen.