Archive für 19.3.2007

Paddy’s Day in Galway

Heute ist St. Patrick’s Day. Wir bahnen unseren Weg über regennasse Straßen quer durch Irland. Der Scheibenwischer läuft auf Hochtouren und macht wenig Hoffnung auf einen angenehmen Urlaub. Doch sobald wir da sind, geht es mir schlagartig besser. Meine alte Heimat. Alles so vertraut. Ich springe aus dem Auto. Nur mit einer Weste und Handschuhen. Dünner Fadenregen befällt mich zur Begrüßung. Wie damals lege ich keinen Wert auf Mütze oder Regenschirm. Warum auch. Trocken wird man immer irgendwann – und wenn’s im Pub ist, umso besser. Auf dem Weg zum Pub freue ich mich an der Umgebung. Erinnerungen stürmen auf mich ein. Dort hatten wir mal auf der Wiese gelegen. Dort einen Weiberabend gemacht. Hier bin ich vor Liebeskummer zusammengebrochen. Dort mit Áine an der Hand spazieren gegangen. Heute sind viele Iren unterwegs. Die meisten grün und orange gekleidet und betrunken. St. Patrick’s Day. Die große Parade haben wir verpasst. Alles Weitere ist nur noch trinken und feiern. Wo ein solcher Feiertag in Deutschland ein riesenhaftes Volksfest auslösen würde – inklusive Bühnen, Bands, Buden, Karussells und Feuerwerk, ist hier keine Spur davon zu sehen. Wir kehren in ein Pub ein. Seit dem Rauchverbot riecht es besser, aber auch nicht immer angenehm. Heute ein großes Rugby-Match. Irland führt haushoch. Die Stimmung ist gut. Eine Gruppe Männer singt. Unterhaltung unmöglich. Ich trinke, schaue Rugby und genieße es, hier zu sein. Bald sind wir zu dritt. Ziehen uns in ein Café zurück, um uns gegenseitig auf den aktuellen Stand zu bringen. Abendessen  außerhalb von Galway. Ein Pint hinterher. Wieder ein erster Hauch von Entspannung und Glück.

Abends im Pub

Noch immer steckt mir der Druck der letzten Wochen in den Knochen. Wir treffen ein paar Leute im Pub. Ich trinke mein erstes Pint. Smalltalk mit Marions Freunden. Eingetaucht in eine englisch sprechende Welt. Ich funktioniere automatisch. Bin immer noch gestresst und suche noch immer meinen Weg heraus aus den kreisenden Gedanken um Zukunft und Job. Vielleicht klappt es ja morgen.

Dublin.

17:40 Uhr. Flughafen Dublin. Wind, Kälte, leichter Regen. Meine erste Herausforderung: eine Busfahrt bis zum Haus meiner Freundin. Es gibt keinen besseren Weg, um mit der irischen Lebensweise und den irischen Verkehrsbedingungen vertraut zu werden. Wo ich mich in Deutschland einem unglaublichen Gedränge und Kampf um Zugang zum sowie Sitzplatz im Bus gegenüber gesehen hätte, geht hier alles sehr ruhig vonstatten. Leute hieven ihre schweren Gepäckstücke durch die schmalen Türen. Der Fahrer sitzt in seiner kleinen Kabine, kassiert, überwacht und organisiert und findet sogar Zeit, Fragen nach dem Reiseziel zu beantworten. Ich finde schnell einen Platz für meinen Koffer und setze mich ans Fenster. 10 Minuten später geht die Busfahrt los. Das Besondere und für mich und sicherlich viele Deutsche Unglaubliche am Dubliner Verkehrssystem ist wohl, dass Haltestellen nicht beschriftet sind. Der Bus hält ca. alle 3 Minuten irgendwo an einem kleinen Schild, das auf eine Haltestelle hindeutet. Keine Überdachung (obwohl die in diesem Land wohl so nötig wäre), keine Beleuchtung, keine Bezeichnung, nichts. Wer einsteigen will, muss 1. wissen, welche Buslinien an gerade dieser Haltestelle halten und 2. dem Bus winken, damit er anhält. Wer aussteigen will, muss sich gut in Dublin auskennen oder den Fahrer bzw. Mitfahrer fragen, woran man die Haltestelle erkennt. Meine Fahrt dauert eine Stunde. Meine Haltestelle liegt in dunkler Straße ohne markante Erkennungspunkte. Alle sind hilfsbereit, fragen mich, wo ich hinmuss, sagen mir wann ich aussteigen muss, bedeuten dem Fahrer, er solle noch warten, bis ich meinen schweren Koffer durch den Gang navigiert habe. Dann schließen sich die Türen hinter mir und der Urlaub kann beginnen.

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