Archive für März 2007

Draußen Sonnenschein, drinnen tobt Gewitter

Wenn ich mich den ganzen Tag in die Sonne stellen würde, würde es helfen? Könnte die Sonne das Gewitter wegwaschen, das seit Wochen in mir tobt? Die Zukunftssorgen, die Hoffnungen, die Wünsche und die Ungeduld wegbrennen? Selbstvertrauen und Ruhe einflößen? Den Schritt festigen, das Auge fixieren, die Hände beruhigen und endlich wieder für die nötige Menge an Schlaf sorgen? Ich weiß es nicht. Alles was ich sehe, sind Ränder unter den Augen, angeknabberte Fingernägel, hohe Telefonkosten, Unsicherheiten und eine allgegenwärtige Unruhe. Einfach einen ganzen Tag an Elbe oder Alster in die Sonne legen und sich einer Dauerbestrahlung und Dauerbeglückung aussetzen. Das hätte was. Und dann entscheiden und weitersehen.

Sonntag Morgen

8:25 Uhr. Der Wecker klingelt mich wach, reißt mich aus den Tiefen eines angenehmen und ausnahmsweise sorgenlosen Traumes und zerrt mich an die Oberfläche, wie eine Ertrinkende. Noch klammere ich mich am Nebel fest, der mich und mein Gehirn umgibt, nicht wahrhaben wollend, dass ich selbst noch wenige Stunden zuvor voller Enthusiasmus und Tatendrang entschieden hatte, so früh aufzustehen. Blinzelnd öffne ich die Augen und versuche mich der Realität des Tages zu stellen. Die Glieder schwer, schiebe ich sie langsam unter der Decke hervor. Weg von der Wärmflasche, die mich anfleht noch ein bisschen bei ihr zu bleiben. Sonnenstrahlen kämpfen sich durch den Vorhang. Nicht ohne Kraft, wie ich bewundernd und müde erfreut feststelle. Mit noch steifen Gliedern ziehe ich mir ein paar Sachen über und bereite mich auf den nächsten Punkt in meinem Wochenendplan vor: Schwimmen gehen. Sonntag morgens um 9. Wie erhofft empfängt mich draußen ein herrlicher Sonnenschein und mit geschlossenen Augen genieße ich die Wartezeit an der S-Bahn und am Bus. Ich werde zu spät kommen, aber wen stört das schon im Angesicht eines ersten Frühlingsgrußes. Das Schwimmbad ist in herrliches Licht getaucht, welches sich im Wasser spiegelt. Mein Körper rebelliert noch gegen die bevorstehende Berührung mit dem kühlen Nass, doch der Geist ist motiviert, standhaft verleugnend, dass sich die schon wärmende Kraft des Lichtes nicht auf das Wasser erstrecken wird. Bahn für Bahn kehren meine Lebensgeister zurück. Unvergleichlich der Blick durch die Brille, die Klarheit der Sicht, die Strahlen unter Wasser, Menschenkörper, die wie in Zeitlupe vorbeiziehen. Unter Wasser kommt es mir so vor, als würde das Leben anders ticken, Uhren langsamer gehen, Unbeschwertheit Einzug halten. Ich fühle mich glücklich, beflügelt… hungrig? Ja, hungrig! Ein paar Bahnen später zieht es mich wieder hinaus. Ein Spaziergang, Sonne, Glückshormone, die mich durchdringen wie schon lange nicht mehr. Ein Café, ein Kaffee, Orangensaft, Brötchen und Croissant. Zufrieden zurückgelehnte Sozialstudien, ein Lächeln um die Mundwinkel, sich einschleichende Mattheit und erste Gedanken an die Attraktivität und Anziehungskraft meines Bettes, ach, jedes Bettes. Horizontale Träume durchfließen mich in leichten Wellen. Jetzt nur noch nach Hause und den Rest des Tages ausruhen.

Mein Wohnzimmer und ich

sandra.jpg Ich bin nicht oft zu Hause. Aber gerade deshalb genieße ich die Zeit dort umso mehr. Dank eines ausgeklügelten Raumdesigns zweier mir sehr nahestehender und an Kreativität nicht zu übertreffenden Hobby-Raumgestalter ist jedes Zimmer meiner Wohnung etwas ganz besonderes, in dem ich mich sehr wohl fühlen kann. Ich koche mir etwas Schönes, lege die Füße hoch und ergötze mich an meinen zahlreichen Unterhaltungsmedien oder einem guten Buch.

Ode an die Wasserflasche

Ich habe ein großes Projekt. Seit genau 10 Monaten. Das Ziel: Gewichtsreduktion. Eines der vielen Mittel dies zu erreichen: 2 Liter Wasser pro Tag. Besser mehr. Mein bester Freund und treuer Begleiter auf diesem Weg ist eine Wasserflasche. Erst 0,5 Liter, jetzt schon 1 Liter im Volumen. Sie begleitet mich überallhin. Sie kennt mich besser als die Menschen in meinem Umfeld. Sie weiss bis ins Detail, wie ich meinen Tag gestalte. Wenn Wasser ein Gedächtnis hätte, was wüßte es alles über mich? Heute schon 1 2/3 Liter. Und es ist erst 5. Der Anfang war schwer. Nach Jahren des Cola- und Milchgenusses wurde mir schon beim Anblick von Wasser schlecht. Ich war nie durstig. Trank viel zu wenig. Manchmal nur ein Glas pro Tag. Trinken muss trainiert werden. Das ist das Grundwissen, das jede Diät begleitet. Ich habe es geschafft. Eine intime Beziehung zu meiner Flasche aufgebaut. Sie schaut mich strafend an, wenn Mittags noch kein Liter getrunken ist. Ich nehme sie sogar mit auf Reisen. Meine erste Flasche kam aus Bulgarien. Sie begleitete mich bis Dezember. Dann wurde sie mir am Dubliner Flughafen abgenommen. Scheiterte am Verbot, Flüssigkeiten zu transportieren. Ich hatte sie doch sorgsam geleert! Ein schmerzlicher Verlust. 2 Wochen der Trauer und Flaschenlosigkeit. Dann die Rettung in Berlin. Eine neue Flasche. Viel schöner und größer. Ich verehre, liebe und brauche sie. Sie hält mich am Leben - und ich gieße sie regelmäßig. Ob ich ihr einen Namen gebe?

Donnerstags auf dem Markt

Vorfreude auf dem Weg dorthin. Das Kleingeld klimpert in der Tasche. Die lange Schlange am Biostand. Vergnügte Gespräche mit Kollegen. Spontane Auswahl des Gerichtes. Spinatkuchen, Schafskäseschnitte, Kokossuppe, Lasagne, Mangoldauflauf - nur einige der Donnerstäglichen Highlights. Bewaffnung mit Besteck, Brot und Servietten. Versammlung um den Stehtisch. Auswertung der Arbeitswoche und Wochenendpläne. Das Wochenende greifbar nahe. Zu vermessen, schon Mittwochs darüber nachzudenken. Jeder Bissen zergeht im Mund. Der Obststand lockt. Schnell noch Bananen und Äpfel einkaufen. Wieder zurück ins Büro. Diesmal seltsam beschwingt. Donnerstage können so schön sein.