Archive für April 2007

Pure Verschwendung

Samstag und Sonntag Seminar. Schon das zweite Wochenende in Folge. Es nennt sich Übungsleiter-Grundkurs und ein erster Einstieg in die Tauchausbildung. Wir sitzen da und lauschen minder interessiert Erklärungen über die richtige Ernährung. Ja, ich weiß, dass tierische Fette böse sind und dass man ganz viel Obst und Gemüse essen muss. Ich weiß, dass Schokolade schlecht ist und neben hungrig auch die Zähne kaputt macht. Das Einzige was ich nicht weiß ist der Zusammenhang zur Tauchausbildung, bzw. zu irgendeinem anderen Freizeitsport. Während ich noch darüber grüble, wie die Tauchschüler gucken würden, wenn ich ihnen vor dem Unterricht erstmal einen Vortrag über ihre Ernährung hielte, beginnt der nächste Themenkomplex. Ist Dehnen nach dem Sport gut oder nicht? Die Frage hängt dick, schwer und klebrig im Raum. Eine leichte Brise lässt sie hypnotisch hin- und herschwingen. Ich kämpfe mit meinen Augenlidern. Draußen herrlichster Sonnenschein, drinnen die Frage, die mit kalten Fingern nach meinem Hirn greift, das müde sein Interesse verweigert. 2 Stunden später hängt sie dort immernoch. Jetzt kommt der Referent endlich auf den Punkt. Er persönlich ist ja gegen das Dehnen, aber die Wissenschaft ist sich nicht einig. Aha. Fazit: jeder soll machen was er will. Das würde ich gern wörtlich nehmen und einfach den Raum verlassen. Dumpfe Wut beschleicht mich. Ein Thema, das in 2 Sätzen hätte abgehandelt sein können, wurde sinnloserweise auf 2 Stunden ausgedehnt. Verschwendung von Lebenszeit. Mich durchzucken Phantasien, was ich während der 3 Wochen dieses sinnlosen Kurses alles hätte tun können. Tauchen gehen. Nach Berlin/Leipzig/Erfurt/London fahren. Mir in Kneipen und Clubs Nächte um die Ohren schlagen. Besuch kriegen, zum Beispiel aus Irland. Joggen gehen. Meine Steuererklärung machen. 1000 Dinge, die angenehmer sind, als hier zu sitzen und mir irrelevantes sportliches Hintergrundwissen anzuhören. Ich kann fühlen, wie ich altere. Kann man sich zu Tode langweilen? Geht das? Es fühlt sich fast so an. Ohh, jetzt gehen wir zum Praxisteil über. Dehnungsübungen. Wie toll! Statt am Muskel zerrt diese Veranstaltung an meinen Nerven. 3 verschwendete Wochenenden. Und was liegt dazwischen? Arbeit. Ich weiss nicht, was schlimmer ist. Doch, jetzt fällt es mir ein. Die Klausur ist schlimmer. Die Klausur in der all der Unsinn noch einmal abgefragt wird. Die Klausur, die mich zwingt, nach der Arbeit in die Unterlagen zu schauen und zu lernen. Warum tue ich mir das nur an?

Düsseldorf

Viel wärmer als Hamburg, weil der Wind fehlt. Flanieren am Rhein. Überall tobt das Leben. Kleine Gassen in der Altstadt. Internationales Flair. Unglaublich viele Menschen unterwegs. Draußen sitzen und ein Bier trinken. Leute scharen sich um Kneipen. Heiterkeit. Kleine Kirmes. Die Fahrt auf dem Riesenrad eröffnet neue Ansichten. T-Shirt-Wetter. Am anderen Ufer grasen Schafe. Die Fahrt auf dem Motorroller fühlt sich an wie Italien. Hier zu wohnen hat auch was.

Verwerfliche Erleichterung

Die Nummer auf dem Telefon verheisst nichts Gutes. Wenn sie selbst anrufen, ist meist etwas Schlimmes passiert. Seit Monaten nur ein Thema in meinem Kopf. Nur eine Sache, die unausweichlich näher rückt. Ein paarmal war es schon knapp. Jedesmal alles stehen und liegen lassen und hinfahren. Ein Leben in Planungsunsicherheit und täglicher unterschwelliger Angst. Und jetzt diese Nummer. Ich fasse mir ein Herz und rufe an. Schlechte Nachrichten. Ich soll mich setzen. Ich bin ganz Ohr. Nein, es ist nicht das was ich befürchtet habe. Statt “nach einem langen erfüllten Leben…” wird jetzt “plötzlich und unerwartet…” in der Zeitung stehen. Ein Kreuz am Straßenrand. Ein gebrochenes Vaterherz, eine Familie erschüttert. Und ich halte den Hörer in der Hand und fühle dumpfe Erleichterung, dass das Befürchtete nicht eingetreten ist, dass der Mensch zu dem ich die starke emotionale Bindung habe, weiterlebt. Ich wundere mich, dass die Bande trotz der Verwandtschaft und gemeinsam verbrachter Jugendtage nicht stark genug waren, um von Entsetzen und Unglauben in ernsthafte Trauer umzuschwenken. Noch nicht zumindest. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis man es realisiert hat. Kann man sowas überhaupt realisieren?

Es wird ernst

Schulungen. Übernachtung im Hotel. Überlebenstraining in der Geschäftswelt. Smalltalk in Reinkultur. Ich schlage mich so durch. Noch nicht genügend Visitenkarten gedruckt. Noch keine Kostümchen im Schrank. Schlechte Voraussetzungen, um hier etwas darzustellen. Zurück im Büro den Kopf senken, in den Monitor schauen und die Bemerkungen der Kollegen über mich ergehen lassen. Ich bin ein Zwitterwesen zwischen den Stühlen. Noch nicht genügend Informationen, um Antworten zu geben. Noch immer der kollegiale Kumpeltyp, der die Stimmung hochhält. Aber schon Bewerbungen auswerten und Einstellungsgespräche führen. Wie es weitergeht? Wir werden sehen. Es bleibt spannend.

Der erste Tauchgang

Die sommerlichen Temperaturen laden zum Tauchen ein. Also Zeug gepackt, auf den Rücksitz gehüpft und los gehts. Die Fahrt anstrengend. Stau und Hitze. Alle Welt ist auf dem Weg zur Ostsee. Ankunft verschwitzt und müde. Der Check der Lage ergibt schlechte Sicht. Weites Rausschwimmen erforderlich - Tauchschülern sei dank. Wassertemperatur niedrig genug, um einen Shorty, einen Anzug und eine Eisweste zu tragen. Fast 10 Kilo Blei lassen mich schwanken. Der kühle Wind vermag die Neoprenschichten nicht zu durchdringen. Vollkommen angekleidet schwitze ich unmenschlich und möchte nur noch ins Wasser. Warum kriege ich meine Flossen nicht an? Zum Glück ist Tauchen ein Partnersport. Beim Rausschwimmen schnaufe ich stilecht wie ein Walross. Die Wellen spritzen salziges Wasser in meinen Mund. Endlich da. Zu Atem kommen. Abtauchen. Neuer Versuch. Ganz tief ausatmen und abtauchen. Endlich klappts.
Das Wasser schön kühl. Der Boden kommt näher. Man kann erste Muscheln erkennen. Krebse flitzen über den Sand. Aalmuttern schlängeln sich herum. Seesterne umschlingen Krustentiere. Jetzt ruhig atmen, um nicht zuviel Luft zu verbrauchen und über dem Boden entlanggleiten. Meine Wasserlage ist schlecht. Der Bleigurt verrutscht, zieht mich links herunter. Meine Füße haben zuviel Auftrieb. Ich kämpfe mit mir und dem Equipment. Ist das immer so beim ersten Mal? Der Rückweg geht besser. Entspannung auf 6 m Tiefe. Eine angenehme Tiefe wo selbst meine Füße mal dort sind wo sie hingehören. Wir kommen in Ufernähe. Die Sicht wird schlechter. Wir halten uns aneinander fest. Dort ist ein blauer Wurm, der sich in den Boden eingräbt.
Wieder am Ufer. Der Tauchgang beendet. Der Bleigurt liegt sexy tief auf meiner Hüfte und der Rest des Equipments stützt sich schön auf ihm ab. Meine Beine versagen ihren Dienst. 20 Kilo auf der Hüftmuskulatur - das macht kein Bein mit. Wir lösen den Gurt und ich transportiere ihn in der Hand. Der Weg zum Auto ist beschwerlich. Der Gurt zieht meine Arme immer länger. Die Finger wollen ihn nicht mehr halten. Aber irgendwo muss der Tauchsport ja auch an Sport grenzen. Endlich da. Zeug abwerfen und wegpacken. Ich bin total kaputt, aber auch sehr froh, mal wieder tauchen gewesen zu sein. Das nächste Mal kann es nur besser werden. Abends wird gegrillt. Wir sehen uns zufrieden an, während wir wie ausgehungert die dritte Wurst verdrücken. Ein schöner Tag. Ein tolles Hobby. Ein fantastischer Sport.

Der erste Sonnenbrand

Es ist Sonnabend. Der erste Sonnabend seit langem, den ich in Hamburg verbringe. Frühstück zur Mittagszeit. Ich sitze im T-Shirt auf der Biergartengarnitur und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Schlendern über den Flohmarkt. Mein Kaufinteresse ist gering, die Athmosphäre aber sehr ansprechend. Jetzt ein schönes Plätzchen außerhalb eines Cafés gesucht und den Rest des Nachmittages nicht mehr aus der Sonne gegangen. Ich ziehe meine Schuhe aus, lege die Füße hoch und beobachte über mehrere Stunden hinweg die Leute um mich herum. Genuss pur. Am Abend stelle ich fest, dass ich einen leichten Sonnenbrand habe und meine Sommersprossen zum Leben erweckt wurden. Mehr davon!

Reeperbahn

Menschenmassen schieben sich über die Reeperbahn. Ich versuche den Anschluss an meine 2 Begleiterinnen zu halten und nicht abgetrieben zu werden. Zielgerichtetes Streben in Richtung Hans-Albers-Platz. Erst einmal ein Kurzer zum Anwärmen. Tomatensaft mit Schuss. Lecker, aber irgendwie fehlen die Nudeln dazu. Dann gehen wir ins Frieda B. Wir erkennen eine deutliche Differenz zwischen unseren und den Alkoholpegeln der Umstehenden. Schnell aufholen. Wir bestellen ein Bier und suchen uns einen akzeptablen Platz. Passend beginnt die Schlagerrunde. Nicht so lustig, wenn man nicht betrunken ist. Ich nehme einen Schluck. Wir machen uns ein bißchen Stimmung und tanzen einfach mit. Wer ist das da an meinem Hintern? Sebastian. Aha. Er wußte keinen besseren Weg, um mich anzusprechen. Interessant. Warum auch lange rumquatschen, wenn man gleich zum Wesentlichen kommen kann. Er will mich also ins Bett bekommen. Na, wenigstens ehrlich. Hat allerdings in den unteren Regionen nicht viel zu bieten, ist egoistisch, bei der Bundeswehr und hat eine Freundin, deren Ring er sogar trägt. Interessante Argumentation. So macht man das also heute. Erstmal alle Ausschlußkriterien nennen und dann hoffen, dass sie trotzdem darauf eingeht. Man lernt nie aus. Wenigstens springen ein paar Getränke raus. Nebenbei packt sein Kumpel zur allgemeinen Begutachtung schonmal sein bestes Stück aus. Aha. Ich komme mir fast vor wie in Irland - wenn nur der Schlager nicht wäre. Neue Kneipe, neues Glück. Hier ist die Musik viel besser und die Kurzen schmecken auch. Es wird getanzt. Die nächste Kneipe ist überfüllt mit gealterten Junggesellen ab Mitte 30 aufwärts, die nach frischen 18jährigen Ausschau halten. Solariumbräune inklusive. Schnell weg. Aus allen Türen erschallt Schlager- und Chartmusik. Es ist schon um 4. Zeit, den Abend abzubrechen und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Ach ja, nun noch Sebastians Nummer löschen…

T-Shirt Wetter

Mittagspause im Sonnenschein. Ein großer Stein bildet den Sitzplatz. Blinzelnd stochere ich im Salat. Die Personen um mich herum wirken verschwommen und verblasst. Ohne Appetit zwinge ich Bissen für Bissen in meinen Mund. Ich bin ganz ausgefüllt vom warmen Sonnenstrahl, der mein Bein unter der schwarzen Hose erhitzt, der mir auf die blanken Arme scheint und den Nacken wärmt. Segelboote ziehen vorbei, Kollegen reden und Jogger joggen. Alle Geräusche gedämpft. Weiße Blüten fliegen von den Bäumen und ergießen sich im Gras. Die perfekte Idylle. Der perfekte Vorgeschmack auf das Wochenende.

Definition von Glück

Wenn alles rund läuft. Wenn alles was man sich vorgenommen hat, zum Erfolg führt. Wenn man Zeit findet, sich auf sich selbst zu besinnen und die schönen Dinge im Leben zu genießen. Wenn ein Spaziergang um die Alster ausreicht, um beseelt grinsend ins Bett zu fallen. Wenn die Tage wärmer und wärmer werden. Wenn die Zukunft abwechslungsreich, spannend und unerforscht scheint und einlädt entdeckt zu werden.

Wenn alle Last abfällt bleibt ein Loch.

Füllen klappt gut mit einer Runde joggen um den Block, während man sich auf die Atmung konzentriert und die Gedanken sich selbst ordnen lässt. Mit einigen Telefonaten, voll der beiderseitigen Freude und Erleichterung. Mit einem Konzert einer grandiosen Band, deren Musik tief in den Körper eindringt und die Brust vibrieren lässt. Ein Bier in der Hand, gibt man sich dem Klang hin und ist plötzlich wieder eins mit sich. Ein Gefühl, das lange verloren geglaubt war.