Archive für 7.6.2007

Die Vielfalt der Transportmittel

Salzbergwerk Berchtesgaden. Wir werfen uns in strapazierfähige und durchaus ansehnliche Bergwerksanzüge. Zugfahrt durch schmale Tunnel. Kühle schlägt uns entgegen. Bin ich die Einzige hier, die kein Bayerisch versteht? Wo ist mein Dolmetscher? Egal. Einfach alles mit- und nachmachen. Nach einer kleinen Lasershow mitten im Berg nehmen wir zu dritt auf einer Rutsche Platz, die uns 34m in die Tiefe führt. Mit begeistert in den Vordermann verkrampften Fingern schreien wir unser Glück hinaus. Ob man auf diese Weise einen Bergrutsch auslösen könnte? Egal. Einfach weitermachen. Salzverkostung an der Bergwand. Wieviele Leute hier täglich ihre Bakterien hinterlassen? Egal. Einfach in den Mund mit dem Finger. High-Tech mitten im Berg. An einem anschaulichen Modell wird uns der Salzabbau erläutert. In Hochdeutsch. Sind wir die Einzigen hier die das verstehen? Egal. Das ist nur ausgleichende Gerechtigkeit. Wieder eine Rutsche. Diesmal länger und ich vorne. Einfach herrlich. Das nächste Highlight ist die Bootsfahrt auf dem Spiegelsee. Andächtiges Blicken auf das Wasser, während wir sanft dahingleiten. An den Decken Lichtprojektionen. Ob sowas normal ist im Berg? Egal. Naivität macht das Leben viel spannender. Salzi springt uns entgegen - das kleine sprechende Salzkristall. Wie süß. Ich wußte, es gibt da noch mehr zwischen Himmel und Erde. “Hallo Salzi! Ja, es hat mir gefallen. Viel Spaß noch hier unten im Dunkeln. Ich geh dann mal.”
Fahrt mit dem alten Bergwerksfahrstuhl. Und dann wieder der Zug. So eine Transportvielfalt hatte ich noch nie in einem Bergwerk. Ich bin begeistert. Ob ich Salzi jemals wiedersehen werde? Egal. Ich hab ja den Sandmann.

Berge, Wälder und Strukturen

Die Sonne drückt, die Fahrt ist rasant, das Auto ein Stück Heimat, die Begleitung mehr als vertraut. Entspannt lehne ich mich zurück und sehe die Welt an mir vorbeifliegen. Endlich wieder Berge und dichte Wälder, durch die wir uns schlängeln und die nach 2 Monaten Daueraufenthalt in Hamburg tiefgründige Wohlgefühle in mir aufsteigen lassen. In der Ferne der Chiemsee. Gespickt mit Segelboten glänzt er in der Sonne. Überall Strukturen. Mehr als nichtssagendes Plattland das einen nach zwei Monaten unablässig anzugähnen schien. Berge hoch genug, um Schnee anzulocken und Wolken einzufangen. Wälder die in wenigen Wochen von Pilzen überzuquellen versprechen. Motorradfahrer legen sich tief in die Kurven. Mein Körper drückt gegen die Tür. Und wie früher schwingt die leichte Angst mit, sie könnte sich öffnen und ihren schockierten Inhalt auf die Straße ergießen. Wie ich das liebe. Wie ich das vermisse. Es ist nicht ganz so gut wie Thüringen, aber fast.

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