Archive für 16.6.2007

Krämerbrückenfest, die Vierte

Nach einem Zwischenstopp bei den Dudelzwergen, einem sehr scharf gewürzten Knoblauchbrot, Kirschbier, einer korpulenten Bauchtanzgruppe und einem fettigen Langos finden wir auf dem Fischmarkt eine Band nach meinem Geschmack. Alte Erfurter Urgesteine, die mit Mundharmonika, Gitarre, Bass und Querflöte alte Klassiker anstimmen und mit denen mich vor vielen Jahren weit mehr verbunden hat als die Musik. Wir setzen uns, trinken noch ein Bier und genießen die Musik. Um uns herum lauter Musiker, die fachmännisch dreinschauen und zustimmend nicken. Für Qualität ist also gesorgt. Die Vergangenheit holt mich ein und ich fühle mich an wilde Jahre erinnert, in denen ich die Erfurter Szene unsicher machte. Schmunzelnd stelle ich fest, dass ich trotz der eingängigen Töne und Stimmen emotional ganz in der Gegenwart und mit meinen Begleitern verwachsen bleibe. Mit einem Bier in der Hand lehne ich mich zurück und lasse mich treiben. Erstaunlich, wie einschneidend sich Musik auf das Leben auswirken kann, wie schnell sich bestimmte Erlebnisse mit Liedern verknüpfen und sich dann immer wieder abrufen lassen, sobald die Lieder ertönen…

Nach dem Konzert treiben uns erneut die Lust auf ein Kirschbier und der Hunger nach irischer Folkmusik. Wir suchen uns einen schönen Platz auf der Mauer und beobachten das Treiben auf und vor der Bühne. Glücklich bewegen wir uns im Takt und freuen uns an den aufsteigenden Emotionen, die wir gemeinsam haben, die uns verbinden und symbolisch für unsere Vergangenheit stehen. Gelegentlich holt jemand Bier. Die Stimmung ist gut. Nach den Iren wieder die Dudelzwerge. Wir sind begeistert. Danach steht nur noch das Feuerwerk auf dem Programm. Es ist kurz aber schön und bildet den perfekten Abschluss eines perfekten Tages.

Krämerbrückenfest, die Dritte

Das nächste Highlight ist die Trommelgruppe, die auf dem Anger aufspielen soll. Als wir ankommen, erwarten uns dort allerdings ein paar herausgeputzte Thüringer Mädchen, die eine Gesangsdarbietung geben. Wir beschließen, etwas für unseren Bierhaushalt zu tun und zu warten. Allerdings scheint sich die Biergartengarnitur gerade für ein Päuschen entschieden zu haben und bockt, als wir unser zartes Gewicht auf die Bank verlagern wollen. Ganz schnell sind wir vom unschuldigen Zuschauer zur Attraktion geworden - und das ganz ohne zu singen oder sich herauszuputzen. Eine andere Bank ist uns freundlicher gesonnen und schon sitzen wir eng an eng, trinken unser Bier und schauen in die Runde. In eine Runde, die aus sturzbetrunkenen und gelegentlich die Bühne erstürmenden Gehörbehinderten, einem sich im Takt wiegenden Obdachlosen, einer Unmenge von Teenagern und Leuten unseren Alters besteht, denen auch ein wenig unbehaglich zumute zu sein scheint. Als einer der Gehörbehinderten auf der Bühne ein Lied anstimmt, das mir zwar gefällt, aber extrem an Tokio Hotel erinnert, leeren wir in großen Schlucken unsere Gläser und flüchten. Einstimmig beschließen wir, dass das eigentliche Highlight eigentlich wir waren und dass wir die Performance wiederholen sollten, wenn das Programm nicht unserem Geschmack entspricht.

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Krämerbrückenfest, die Zweite

Die Wurst war köstlich. Frisch gestärkt befriedigen wir ein typisch weibliches Bedürfnis, das sich immer einstellt wenn man zu zweit in einer Einkaufszone unterwegs ist. Zwei paar Schuhe und eine Tasche später machen wir uns auf den Weg zum ersten kulturellen Highlight des Tages - den Dudelzwergen. Mit wundersam und ganz und garnicht traditionell anmutenden Dudelsäcken, Trommeln und einer Gitarre haben sie sich unter die Massen gemischt und spielen mittelalterlich auf. Die Stimmung brodelt, die Musik passt perfekt zur Kulisse der Altstadt und wir sind glücklich. Eine Regenwolke schiebt sich träge vorbei und man kann ihr direkt ansehen, wie schwer ihr die Entscheidung fällt, mit dem Freilassen ihres kühlen Inhaltes das feiernde Volk in alle Richtungen zu vertreiben. Sie wartet das Ende der Veranstaltung ab und gibt uns genügend Zeit, uns mit einem Eis bewaffnet von Unterstand zu Unterstand zu hangeln. Schon lange kein Bier mehr gehabt, also auf zum nächsten Highlight.

Krämerbrückenfest, die Erste

Das Wetter hat sich wie erwartet gebessert. Erlebnishungrig machen wir uns auf den Weg. Große Biene Maja Party auf dem Anger mit Memoryspiel am Toys’R'Us-Stand. Betreten stellen wir mal wieder fest, dass wir das zulässige Höchstalter überschritten haben. Dann müssen eben andere Events her. Turmbesteigung in der Ägidienkirche. Touristen drängen, Rucksäcke verhaken sich, von unten zwängt sich Blasmusik in unsere Ohren. Verwirrt kämpfe ich mit dem Versuch, die Aussicht auf mich wirken zu lassen. Der Abstieg reißt mich aus dem Wahn. Wir folgen dem Ruf des Kirschbieres. Mit einem Stift bewaffnet kreisen wir die Highlights ein. Die Sonne brennt verlockend, die Massen drängen, die Gera reagiert merklich kühl auf unsere Füße und verweigert standhaft den Einlass. Gleich lassen wir uns eine Bratwurst spendieren. Echte Thüringer. Wieder ein Bier. Das geht gut los.

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