Glückspilz

Eigentlich mache ich firmeninterne Verlosungen nur noch pro forma mit, da ich zu den Menschen gehöre, die nie etwas gewinnen. Wie stockte mir aber das Herz, als mein Kollege mir plötzlich 2 Pressekarten für das HSV-Spiel gegen Juventus Turin auf den Tisch legte! Mit dem Fahrrad ging es dann zum Stadion. Auf dem Weg zum Pressebereich machten wir einen Abstecher in die VIP-Lounge, die nur mäßig spannend war. Lotto sang die Hymne, während wir uns noch kulinarisch eindeckten. Dann ging es los. Die ersten Minuten waren richtig spannend. Der HSV spielte offensiv und hatte viele Chancen. Dann flachte das Spiel leider ab und wollte bis zur 80sten Minute nicht mehr so recht in Gang kommen. Aber Bier und Kuchen und die ungewöhnliche Gesellschaft von Journalisten die dienstbeflissen ihrer Arbeit nachgingen, vermochten meinen Frust im Zaum zu halten. Tor in der 85sten Minute. Der Jubel überwältigend. Die Rufe aus dem Fanblock ohrenbetäubend. In diesem Moment wünschte ich mir, wie früher im Fanblock zu stehen, mich von der Stimmung treiben zu lassen und mitzugrölen als gäbe es kein Morgen. Diese Sehnsucht hielt bis weit nach Spielende an, als sich die Spieler tanzend bei den Fans bedankten - Atouba vorneweg. Danach ein kurzes Intermezzo auf der Pressekonferenz. Huub Stevens beantwortete Fragen kurz, knapp, ruppig und doch sympatisch. Danach ging er an uns vorbei in Richtung Mannschaftskabinen. Die Mannschaft greifbar nahe, kämpfte ich mit mir, mich vom Pressevertreter in einen Fan zu verwandeln und alles daran zu setzen, an Spieler und Autogramme zu kommen. Es war ein harter Kampf aber ein toller Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde.

1 Antwort auf “Glückspilz”

  1. Wickie sagt:

    Vom Pressevertreter zum Fan, vom Glücklosen zur Gesegneten, die lustigen Einträge erzeugen ein Lacheln auf meinem verschlafenen Gesicht. Freude. Stolz. Die Schriftstellerin ist mir nah, nicht nur beim lesen dieser Zeilen, auch persönlich, beim Schließen der Augen weiss ich um Ihre Nähe, Zuneigung, Kraft und Ihr Vertrauen…und fühle mich wohl.

    der Bruder Eric

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