Beruhigend schaukelt das Boot, während ich lesend, redend, trinkend auf dem Sonnendeck entspanne. Das blaue Wasser glitzert einladend. Nach dem obligatorischen Toilettenbesuch am Zielpunkt verschlinge ich die Informationen aus dem Briefing und stürze mich vorfreudig in meine Ausrüstung. Bodycheck, Brille spülen, Flossen an, Luft ins Jacket und rein ins Wasser. Die Gruppe sammelt sich und taucht ab. Der Computer piept. Dann nur noch das Geräusch des Atmens und gelegentlich ein leichtes Knistern in Ufernähe, das eventuell vom Sand herrührt, der auf Felsen schabt. Um mich herum endlose Bläue in die sich Felsformationen und Konturen einschneiden. Schaue ich nach oben, hellt die Bläue auf - bis ich von den einfallenden Lichtstrahlen fast geblendet werde. Auf meinen Reisen begegne ich verschiedenen Lebewesen. In größeren Tiefen hausen große Zackenbarsche, die sich träge durch das Wasser schieben. Woanders entdecke ich einen Drachenkopf, der perfekt getarnt zwischen Felsen verharrt. Hier und da sieht man Trompetenfische, Barakudas und Schollen. Am beeindruckendsten sind die Makrelen, die um mich herum Fischschwärme jagen, kleine lilafarbene Nacktschnecken, träge vorbeischwimmende Schildkröten und ein Oktopus, der so gut getarnt ist, dass man ihn erst entdeckt, als er - durch die dicht vorbeischwimmenden Taucher verängstigt - Tinte spritzt. Ein anderer Oktopus enttarnt sich durch eine kleine Bewegung, die ich noch im Augenwinkel wahrnehme. Ich bin Auge in Auge mit einer Muräne, treffe auf Seegurken, tauche durch Höhlen, einen Canyon und entlang verschiedener Wracks. Es ist eine völlig andere Welt die mich gefangen nimmt und nicht loslassen möchte, die ich hautnah miterleben kann und der ich bloß mit einem Shorty bekleidet noch nie so nah gekommen bin wie jetzt. 19-mal Abtauchen. 21-mal Bootfahren. Und wenn ich nachts im Hotelbett liege und das Schwanken des Bootes nachhallt, entführen mich meine Träume wieder in diese endlose Bläue die mich zudeckt, kühlt und fasziniert.