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28.3.2008 von sandra.
Wir sind nur zu dritt. Es herrscht eine herrlich entspannte Stille. Noch leicht verschlafen reibe ich mir die Augen und erledige die Dinge, zu denen sonst kaum Zeit bleibt. Denken zum Beispiel. Unliebsames und Aufgeschobenes abarbeiten. Draußen scheint die Sonne und das Wochenende winkt. Müdigkeit steckt in meinen Gliedern und ein Kaffee wäre wohl genau das Richtige. Aber der muss erst gekocht werden und dafür ist mir die Zeit zu schade… Sich ordnen und arbeiten. Das ist die Devise. Schnell noch ein paar operative Dinge erledigt, bevor ich mich in die Denkaufgaben stürze. Und ein paar Stunden später früh ins Wochenende. Gerade dann, wenn am meisten los ist. Eine große Überwindung. Aber eine die zu schaffen ist, im Angesicht des Wochenendes das winkt….
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23.10.2007 von sandra.
Dumpfes Pochen im Hintergrund. Ich kneife die Augen zusammen und schüttle leicht den Kopf. Es klopft weiter, stetig, bohrend. Ich suche mir einen Fixpunkt in der Ferne und merke, meine Augen wollen kaum fokussieren, mögen die 50 cm auf die sie seit Stunden eingestellt sind. Ich reibe mir die Stirn und erzeuge einen leichten Gegendruck. Das Klopfen steigt an. Als wäre jemand gegen seinen Willen in meinem Kopf gefangen, drückt er gegen Augen und Stirn. Meine Bildschirme leuchten mich an. Sie scheinen mich auszulachen, mich, die ich an den Stuhl gefesselt vor ihnen sitze und ratlos den Kopf wiege. Jede erdenkliche Tätigkeit die mir einfiele und mich voran brächte, hat mit ihnen zu tun und führt meine Augen sukzessive an den Rand des Flimmerns. Immer wenn ich telefonieren möchte, steigt der Lärmpegel hier im Raum. Konzentration erforderlich, doch immer schwerer zu erreichen. Ein Kaffee, der gute Vorsatz, endlich mal mehr zu schlafen und nur noch 2 Stunden Arbeit vor mir. Fast schon Routine.
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4.10.2007 von sandra.
Almuth steht im Wohnzimmer der Dethlefsens und holt zu ihrem letzten Coup aus. Sie ist voll in Fahrt und kann es kaum erwarten, Frau Dethlefsen ihre feministischen Ansichten um die Ohren zu hauen, deren unsympatischen Mann in die Schranken zu weisen und sich einmal mehr für Gerechtigkeit gegenüber dem allseits unterschätzten schwachen Geschlecht einzusetzen. Doch gerade als sie ihren ersten Satz hübsch betont, überzeugend und voller Kraft hervorgebracht hat, geschieht etwas Unerwartetes. Beziehungsweise, es geschieht nicht! Herr Dethlefsen, der just in diesem Moment zur Tür hätte hereinkommen müssen, kommt einfach nicht! Unsicher kramt Almuth in ihrem Textrepertoire und besinnt sich auf den Grund ihres Kommens. Frau Dethlefsen müsse unbedingt zur Eröffnung kommen, damit sie den Besuchern zeigen kann, wie gut sie sticken kann! Ein kurzer Dialog folgt, doch dann ist auch hier das Ende der Sackgasse erreicht. Almuth lässt mich im Stich. Verabschiedet sich noch kurz und macht sich daran, das Wohnzimmer zu verlassen. Und ich? Ich stehe auf einer Bühne vor Menschen, die mich eben noch gelobt haben und zittere am ganzen Körper. Fast möchte ich hysterisch auflachen, fast mich Almuth anschließen und einfach abgehen. Doch was dann? Das ganze Stück wäre verloren. Die süße Illusion zerstört. Bemüht beiße ich die Zähne zusammen und versuche, Almuth zurückzuholen. Die Souffleuse unterstützt und flüstert mir Text zu. Ich nehme ihn auf wie ein Ertrinkender der nach einer Planke greift, lege ihn Almuth in den Mund und bringe ihn mit schwankender Stimme hervor - bis ich merke, dass ich den Satz eigentlich schon gesagt hatte. Gezwungen lachend wiegele ich ab, fordere Beteiligung von meinem Gegenüber. Doch sie ist genauso verloren wie ich. Bis endlich die Tür aufgeht und Herr Dethlefsen hereinkommt. Almuth hat sich in die Tiefen meines Hirnes zurückgezogen. Ist beleidigt, lustlos, will nicht mehr. Und ich hangele mich durch die Szene, der Ohnmacht nahe. Würde am liebsten verschwinden und alles vergessen. Endlich fertig, renne ich hinaus, möchte alles hinter mir lassen, Almuth den Rücken kehren, die Schauspielerei vergessen. Wie gehetzt laufe ich meine Kreise, versuche, das Desaster positiv zu sehen, mir Mut zu machen, meinen Puls herunterzubringen. Applausordnung. Schwache Beine tragen mich ohne Überzeugung an den Bühnenrand, erzwingen eine Verbeugung, während meine Augen verschämt Bodenkontakt suchen. Kopfschüttelnd begegne ich der Öffentlichkeit. Und die scheint von alledem nichts bemerkt zu haben! Etwas zu leise sei ich gewesen, sonst war es toll, vernehme ich die Stimmen. Ein Kenner meint, an einer Stelle hätte ich einen Satz ausgelassen - aber sonst…. Einen Satz? Wir haben fast eine ganze Szene übersprungen! Meine Stimme hat gezittert - ich habe es genau gehört! Der ganze Akt war eine reine Katastrophe! Und es ist kaum aufgefallen? Mut kann ich aus dieser Wendung nicht schöpfen. Unaufhörlich pulsiert in mir die Frage, wie realistisch ich einen Charakter verkörpern kann, wenn dieser nur auf wenige Sätze beschränkt ist und so sehr an Stichworten hängt. Bin ich zu unprofessionell, dass ich mich nicht von den Strängen des Textes lösen und dem Charakter entsprechend frei improvisieren kann? Warum habe ich so schnell den Kontakt zu Almuth verloren? Habe ich sie mir doch noch nicht ganz zu eigen gemacht? Wie kann ich sie halten und an mich binden? Werde ich den morgigen Abend überstehen? Schlucken, Augen zu und durch - und diesmal mit und als Almuth. Die ganze Aufführung. Versprochen.
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1.8.2007 von sandra.
Eigentlich mache ich firmeninterne Verlosungen nur noch pro forma mit, da ich zu den Menschen gehöre, die nie etwas gewinnen. Wie stockte mir aber das Herz, als mein Kollege mir plötzlich 2 Pressekarten für das HSV-Spiel gegen Juventus Turin auf den Tisch legte! Mit dem Fahrrad ging es dann zum Stadion. Auf dem Weg zum Pressebereich machten wir einen Abstecher in die VIP-Lounge, die nur mäßig spannend war. Lotto sang die Hymne, während wir uns noch kulinarisch eindeckten. Dann ging es los. Die ersten Minuten waren richtig spannend. Der HSV spielte offensiv und hatte viele Chancen. Dann flachte das Spiel leider ab und wollte bis zur 80sten Minute nicht mehr so recht in Gang kommen. Aber Bier und Kuchen und die ungewöhnliche Gesellschaft von Journalisten die dienstbeflissen ihrer Arbeit nachgingen, vermochten meinen Frust im Zaum zu halten. Tor in der 85sten Minute. Der Jubel überwältigend. Die Rufe aus dem Fanblock ohrenbetäubend. In diesem Moment wünschte ich mir, wie früher im Fanblock zu stehen, mich von der Stimmung treiben zu lassen und mitzugrölen als gäbe es kein Morgen. Diese Sehnsucht hielt bis weit nach Spielende an, als sich die Spieler tanzend bei den Fans bedankten - Atouba vorneweg. Danach ein kurzes Intermezzo auf der Pressekonferenz. Huub Stevens beantwortete Fragen kurz, knapp, ruppig und doch sympatisch. Danach ging er an uns vorbei in Richtung Mannschaftskabinen. Die Mannschaft greifbar nahe, kämpfte ich mit mir, mich vom Pressevertreter in einen Fan zu verwandeln und alles daran zu setzen, an Spieler und Autogramme zu kommen. Es war ein harter Kampf aber ein toller Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde.
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27.7.2007 von sandra.
Ausgezehrt von den Unbillen der Woche sitze ich an meinem Schreibtisch. Augenringe, leichte Konzentrationsstörungen, innere Unruhe, die sich im unablässigen Wippen eines Beines niederschlägt. Die Nacht wiedermal zu kurz, die Woche wiedermal zu vollgestopft mit Terminen. Den Knopf im Ohr, versuche ich mich mit youtube über Wasser zu halten. Der Kaffee dampft und wärmt Hände und Bauch. Unverständnis keimt auf, als ich zum 20sten Mal vergeblich versuche, die Daten abzugleichen. Ich habe doch genau die Anleitung befolgt. Es gibt so viel zu tun und es ist so wenig Zeit. Zu wenig Zeit, um mich tiefgreifender mit den Macken von Excel auseinanderzusetzen. Mein Bein wippt schneller. Was tun? Einen Schluck Kaffee trinken und es nochmal versuchen. Schnell fertig werden, bevor die (all)täglichen Probleme und Anfragen kommen. Danach: Leere. Was tue ich als Nächstes? Alles im Kopf durchgehen und priorisieren. So hangele ich mich durch den Tag. Nur noch wenige Stunden bis zum Wochenende. Eine Auszeit. Entspannung. Tapetenwechsel. Glück. Ich freu mich drauf.
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16.7.2007 von sandra.
Dunkelblaue aus dicker Baumwolle bestehende knielange Sporthose, enges am Körper klebendes Sportshirt. Ärmel hochgerollt. Hoffnung auf Bräune. Keine Kopfbedeckung. Arme, Unterschenkel und Gesicht in Sonnencreme getaucht. Mit dem Ball am Fuß spurte ich über den schattenlosen Platz. Kunstrasen. Frisch besprengt, doch halb vertrocknet. Schweiß läuft und brennt im Auge. Fußballtennis. Alle redlich bemüht, den Ball nicht wegspringen zu lassen. Unnötiges Laufen vermeiden. Im Sichtfeld die Feuerwehr, die einen Brand löscht. Der macht es auch nicht kühler. Das Hirn pulsiert. Die Schritte schwer. Statt zu trinken, schütte ich das Wasser über den Kopf. Tore schießen. Ich profitiere von der allgemeinen Antriebslosigkeit. Die Sonne trifft heiß auf meine Haut. Visionen einer kühlenden Dusche kommen auf und lassen mich nicht los. Ich atme schnell und schmelze dahin. Schluss. Abkühlung folgt…
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24.5.2007 von sandra.
‘Warum müssen persönliche Erfolge und Veränderungen immer auch mit denen anderer verknüpft sein?’, frage ich mich vor allem dieser Tage immer mehr. Zwei Jahre vorgesetzt und doch oder gerade deshalb lieb gewonnen. Der Abschied rückt näher. Ich spüre es am steigenden Druck. Wir haben ein Geschenk gebastelt, uns Gedanken und Fotos gemacht, Texte geschrieben. Übergabe beim großen und ganz privaten Abschiedsessen. Rührung, die die eigene Stimmung katalysiert und ein extremes Maß an Selbstbeherrschung erforderlich macht. Gespräche über Vergangenheit und Zukunft. Ausgelassenheit und Trauer vereint. Die hinterlassene Lücke wird groß und schwer zu füllen sein. Jeden Tag mein Bestes geben und versuchen, ihr halbwegs gerecht zu werden. Motivieren und Unwegbarkeiten überwinden. Das ist das Motto der kommenden Wochen, Monate, Jahre? Bis auch ich gehe und jemand meinen Platz einnehmen muss…
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27.4.2007 von sandra.
Viel wärmer als Hamburg, weil der Wind fehlt. Flanieren am Rhein. Überall tobt das Leben. Kleine Gassen in der Altstadt. Internationales Flair. Unglaublich viele Menschen unterwegs. Draußen sitzen und ein Bier trinken. Leute scharen sich um Kneipen. Heiterkeit. Kleine Kirmes. Die Fahrt auf dem Riesenrad eröffnet neue Ansichten. T-Shirt-Wetter. Am anderen Ufer grasen Schafe. Die Fahrt auf dem Motorroller fühlt sich an wie Italien. Hier zu wohnen hat auch was.
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24.4.2007 von sandra.
Schulungen. Übernachtung im Hotel. Überlebenstraining in der Geschäftswelt. Smalltalk in Reinkultur. Ich schlage mich so durch. Noch nicht genügend Visitenkarten gedruckt. Noch keine Kostümchen im Schrank. Schlechte Voraussetzungen, um hier etwas darzustellen. Zurück im Büro den Kopf senken, in den Monitor schauen und die Bemerkungen der Kollegen über mich ergehen lassen. Ich bin ein Zwitterwesen zwischen den Stühlen. Noch nicht genügend Informationen, um Antworten zu geben. Noch immer der kollegiale Kumpeltyp, der die Stimmung hochhält. Aber schon Bewerbungen auswerten und Einstellungsgespräche führen. Wie es weitergeht? Wir werden sehen. Es bleibt spannend.
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13.4.2007 von sandra.
Mittagspause im Sonnenschein. Ein großer Stein bildet den Sitzplatz. Blinzelnd stochere ich im Salat. Die Personen um mich herum wirken verschwommen und verblasst. Ohne Appetit zwinge ich Bissen für Bissen in meinen Mund. Ich bin ganz ausgefüllt vom warmen Sonnenstrahl, der mein Bein unter der schwarzen Hose erhitzt, der mir auf die blanken Arme scheint und den Nacken wärmt. Segelboote ziehen vorbei, Kollegen reden und Jogger joggen. Alle Geräusche gedämpft. Weiße Blüten fliegen von den Bäumen und ergießen sich im Gras. Die perfekte Idylle. Der perfekte Vorgeschmack auf das Wochenende.
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