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12.11.2007 von sandra.
Schier fassungslos saß ich gestern in meinem Kinosessel. Ich hatte mich sehr auf die Preview von Free Rainer gefreut. Gerade weil mir das Thema ganz persönlich am Herzen liegt. Doch was ich da zu sehen bekam, sprengte die Grenzen der Geistlosigkeit und erhob diesen Film zum Schlechtesten was ich je gesehen habe. Die Klischees: alle Leute beim Fernsehen koksen und fahren schnelle Autos, Vorstände residieren in palastartigen Büros und fahren Kickboard, Arbeitslose sind entweder Ausländer, Knackis, Säufer oder religiös und einen Wohnsitz oder ein nennenswertes Privatleben haben sie auch nicht. Die Story: Ein TV-Produzent hat durch einen Autounfall eine Erleuchtung und erklärt sich zum Weltverbesserer. Auf abstruse Weise manipuliert er die Einschaltquoten, sodass die Sender gezwungen sind, anspruchsvolles Programm auszustrahlen. Dies führt zu einem deutschlandweiten Erwachen und plötzlich sitzen alle im Park und lesen Bücher. Die Umsetzung strotzt nur so vor Unlogik, aufgesetzter Dramatik und Plätte die zum Himmel schreit. Der Hauptdarsteller Rainer (Moritz Bleibtreu) ist TV-Produzent und arbeitet beim Fernsehsender. Allein diese Konstellation ist heutzutage so überholt wie unrealistisch. Die wenigsten Fernsehsender produzieren selbst, sondern lagern aus und beauftragen Produktionsfirmen. Rainer hat einen Autounfall, den er schwerverletzt überlebt. Und plötzlich hat er eine Eingebung und erkennt, dass er ein böser Fernsehmacher ist. Ich frage mich, woher diese Erkenntnis kommen soll. Wer jahrelang voller Überzeugung in seinem Job arbeitet und Millionen scheffelt, wird doch nicht von heute auf morgen ohne besonderen Grund alles in Frage stellen! Und schon garnicht Auto und Wohnung verkaufen, das Geld in einem Köfferchen mit sich herumtragen und wahllos für undurchdachte Projekte verprassen. Nein. Wer es soweit gebracht hat, dürfte über ein höheres ökonomisches Grundverständnis verfügen und sein Geld sinnvoller anlegen - auch und gerade wenn er die Welt verbessern möchte. Dann ist da noch die Hauptdarstellerin (oder auch Quotenfrau), die die ganze Zeit wie ein scheuer Hund durch die Gegend läuft und alle paar Meter einen vorwurfsvollen Blick in die Kamera wirft. Hier und da bricht sie auch weinend zusammen - alles immer schön in Nahaufnahme, dass man jede Träne sieht. Sie spricht reichlich wenig und wenn, dann nur bedeutungsschwangere Sätze, wie: “Bei allen Revolutionen fingen die Probleme mit dem Geld an.” Diese sind dann von Klaviermusik unterlegt, um ihnen mehr Bedeutung zu verleihen. Genau genommen verzerren sie das gesamte Szenario zu einer Groteske, die Ihresgleichen sucht. Eine weiterführende Bedeutung für den Film hat die Dame nicht. Man hätte die Rolle auch komplett streichen können und hätte dem Film damit sicherlich einen großen Gefallen getan.
Doch abseits aller Unlogik, mit der ich hier Seiten füllen könnte, hat mich eine Sache am meisten enttäuscht: Hans Weingartner, seines Zeichens gleichzeitig Drehbuchautor wie Produzent, hat sich nicht die Mühe gemacht, für den Film zu recherchieren. Die einzige Tatsache auf die er sich berufen hat, war die Entstehung der Fernsehquoten. Um diese herum hat er seine eigenen Theorien über Medienwirkung und Massenpsychologie geflochten, im Film seine unqualifizierte Meinung in Tatsachen verwandelt und zum Dogma erhoben. Und er hat damit genau das gemacht, was er in diesem Film anprangert: Schrott - wenn man ihn nur nett verpackt, als etwas Gehaltvolles zu verkaufen, kleine Anhaltspunkte in Tatsachen zu verwandeln und massenwirksam zu machen, damit sich damit viel Geld verdienen lässt. Aber sich einmal hinzusetzen, zu recherchieren, sich beraten zu lassen und zu versuchen, das Thema in ein großes medienkritisches Werk zu verwandeln, war ihm wahrscheinlich zu anstrengend (oder zu teuer? - schließlich fingen bei allen Revolutionen die Probleme mit dem Geld an).
Weingartners Auftritt nach der Vorstellung passte perfekt zum Film. Völlig demotiviert stand er vorm Publikum und fand genauso wenige Worte für sein Werk, wie er Gedanken in selbiges investiert hatte. Er sah aus, als hätte er just 2 Minuten vorher seinen letzten Joint geraucht und murmelte sinnlos, er hätte mit dem Film eigentlich nur ausdrücken wollen, dass man auch mal den Fernseher ausmachen soll. Zumindest das Ziel wird er erreichen - spätestens wenn sein Film auf dem RTL’s Abfallsender VOX gezeigt wird (an den Weingartner ihn schon längst verkauft hat - sicherlich weil er für die Öffentlich-Rechtlichen zu banal und geistlos war, um dort ausgestrahlt zu werden)…..
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23.9.2007 von sandra.
Elbtunnel. 1975 gebaut. 1.056 m davon liegen unter dem Flussbett. Teilweise 28m unter der Wasseroberfläche. Wieviele Tonnen Wasser dort wohl draufdrücken? Was passiert, wenn Schiffe den Tunnel kreuzen? Die machen das Wasser doch noch viel schwerer! Wie haben die den nur gebaut? Ungläubig schüttelt sie den Kopf. Sowas hat sie noch nie gesehen und die Dimensionen sind weder greif- noch fassbar. Die Alster. Mitten in der Stadt ein See? Sogar mit einer Schleuse. Fasziniert beobachtet sie, wie ein Touristendampfer aus einem Seitenarm kommend über die Schleuse auf Höhe des Alstersees gebracht wird. Das Rathaus wunderschön. Wie bestellt singt ein Chor. Nach einem Kaffee der erste überirdische Kontakt mit der Elbe. Touristen tummeln sich und Landschaften ziehen vorbei. Und das einfach ohne extra zu bezahlen? Auf dem Weg zum nächsten Highlight betrachtet sie die Graffitis in der Hafenstraße. Hier wird auch gemalt. Das scheint ja heutzutage üblich zu sein. Dann ein Cocktail in der Tower Bar. Der Erste Ihres Lebens. Bei einem herrlichen Blick über Hamburg genießt sie den erfrischenden Geschmack. Auch mein Caipirinha schmeckt ihr gut. Beim Essen im Laufauf ist sie schon so geschafft, dass sie am liebsten direkt ins Bett fallen würde. Die Heimfahrt durch die Schanze wird durch Krawalle und Straßensperren verhindert, also ein Umweg über die Reeperbahn. Müdigkeit verringert den Schock.
Brunch im Café Oktober. Der Teller bleibt weitestgehend leer. Sie ist so vollgestopft mit Eindrücken, dass kein Platz mehr für Essen ist. Eine Fahrt im Cabrio, ein Spaziergang durch die Speicherstadt. Das Highlight ist eine Barkassenfahrt. Vorbei an riesigen Containerschiffen, deren Wände wie Mauern aufragen. Sowas hat sie noch nie in ihrem Leben gesehen. Sie ist so überwältigt, dass sie ganz still wird und Schwierigkeiten hat, dem aktuellen Geschehen zu folgen. Und wieder beschäftigt sie der Elbtunnel. So ein Bauwerk. Unglaublich! Dass das nicht zusammenbricht! Auf die Frage, wie ihr das Wochenende gefallen hat, kann sie nicht antworten. Ihr Kopf ist voll von all diesen faszinierenden überdimensionalen unfassbaren und beeindruckenden Dingen. Das muss sich alles erst einmal sortieren und einrasten.
Mit 83 eine fremde Stadt entdecken. Mit 83 Dinge erleben, die man noch nie zuvor gesehen oder gemacht hat und von denen man vielleicht nichtmal wusste, dass es sie gibt. Dinge die mir ganz selbstverständlich vorkommen. Es war schön, sie zu Besuch zu haben und schön, sie beim Erleben all der Dinge zu begleiten. Ich hoffe, sie kommt bald wieder.
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26.8.2007 von sandra.
Beschauliche Spreerundfahrt mit netten Leuten. Bis in die Nacht tanzen zu Seeedvideos. Ausgiebiges Frühstück am nächsten Morgen. Frauengespräche führen, während man Gemüse schält. Besucher empfangen und Suppe essen. Früh das Konzertgelände betreten und schöne Plätze sichern. In der Sonne sitzen, den Vorbands lauschen und das Finale erwarten. Der Vorhang geht auf, Seeed stehen auf der Bühne und die Menge tobt. Das mitreißendste Konzert das ich je erlebt habe. Wir singen, springen und tanzen zur Musik. Der ultimative Groove. Nach der Heimkehr noch ein Glas Wein und schmunzelnd gedankliches Dahindriften. Das Fanshirt am nächsten Tag ist ein Muss. Ich präsentiere es in den Gärten der Erde - dem ultimativen Kontrastprogramm zum Trubel des Vortages. Mit einer Berliner Weiße in der Hand lasse ich mich am Bundespressestrand für eine halbe Stunde in den Liegestuhl fallen, bevor ich die Heimreise antrete und das Wochenende in einem netten Restaurant ausklingen lasse. Nach solchen Wochenenden erstrahlt der Alltag in einem anderen Licht, sieht die Gräue gleich weniger eintönig aus, ist die Temperatur gleich 2 Grad wärmer und es schleicht sich die Gewissheit in meine Gedanken, dass mein Leben genauso wie es jetzt ist, einfach perfekt ist.
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24.8.2007 von sandra.
“Dickes B, home an der Spree,
im Sommer tust du gut und im Winter tut’s weh.
Mama Berlin - Backsteine und Benzin
- wir lieben deinen Duft, wenn wir um die Häuser ziehn.” (Seeed)
Eine Bootsfahrt, ein Konzert, Freunde treffen, gemeinsam frühstücken. Das ist der Plan. Diesen Plan nur noch mit Leben und Gefühl füllen, dann wird das Wochenende perfekt.
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29.7.2007 von sandra.
Erster Besuch in Hanau. Schöne und behagliche Unterkunft. Berührungsängste schwinden schnell. Ich habe schon schönere Innenstädte gesehen, aber die unmittelbare Umgebung ist beeindruckend. Ein Schloss, ein Park und direkt daneben die Märchenfestspiele der Brüder Grimm. Wir schauen uns das Musical “Die sieben Raben” an und ich bin begeistert. Es ist absolut toll gemacht und erinnert in keiner Weise an die großen Musicals, die in all ihrer Professionalität und Perfektion streckenweise vorhersehbar und eintönig wirken. Ein nächtlicher Spaziergang entlang des beleuchteten Schlosses verstärkt die märchenhafte Stimmung um ein Vielfaches.
Am nächsten Morgen nutze ich die wenigen regenlosen Minuten, um entlang des Mains joggen zu gehen. Herrlich, die frische Luft in mich einzusaugen, mich auf fremdem Terrain im Laufschritt von der Sicherheit des Bekannten wegzubewegen und in das Unbekannte zu stürzen. Diesmal habe ich mir den Straßennamen gemerkt, der mir eine sichere Rückkehr ermöglichen soll. Nicht viele Jogger unterwegs, aber die wenigen auf die ich treffe, grüßen freundlich. Ich fühle mich sofort in eine Gemeinschaft aufgenommen und geborgen. Fußgänger lächeln und ich ertappe mich bei der Erkenntnis, dass es mir hier gefällt. Der Rest des Tages versinkt im Regen. Egal. Ich fühle mich wohl.
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24.6.2007 von sandra.
Wochenende. Ich schwinge mich in bequeme Kleidung. Alte Hose und geländetaugliche Schuhe. Wichtigstes Utensil: Regenjacke. Treffen mit der Gruppe. Ein Bier zur Einstimmung. Unterwegs ein ordentlicher Regenguss und Waten im Schlamm. In Massenabfertigung bekomme ich ein Bändchen um den Arm. Jemand drückt mir ein Programmheft in die Hand und weiter gehts. Aus der Ferne Musikfetzen. Snow Patrol, wie sich leicht feststellen lässt, klingt doch jedes ihrer Lieder gleich langweilig. Kaum angekommen, werden wir fast von den Massen erdrückt. Etwa 55.000 Menschen hat es hierhin verschlagen. Viele davon schon gut angeheitert. Auf den Schock brauche ich noch ein Bier. Die Fantastischen Vier sind ein Highlight, aber noch bin ich zu sehr mit dem Überleben in den Massen beschäftigt, um mich auf die Musik konzentrieren zu können. Der Blick auf die Bühne unmöglich. Dicht bedrängt stehe ich da und überlege mir, ob es nicht effektiver wäre, sich zu Hause hinzusetzen und eine CD zu hören. Besserer Sound, gleiche Sicht und trockene Umgebung - was will ich hier überhaupt? Ein paar Minuten später treten wir den Rückzug an. Jetzt stehen wir so weit von der Bühne entfernt, dass ich aufatmen kann, mich aber frage, ob ich jetzt guten Gewissens behaupten kann, die Fantastischen Vier mal live gesehen zu haben. Meinen Gedanken zum Trotz werden jetzt die Leinwände in Position gebracht und endlich kann auch ich etwas erkennen. Gut. Thomas D zieht sein T-Shirt aus, doch während des ganzen Liedes läuft auf der Leinwand das Video eines Banane kauenden Affen. Ich hatte mir das ja ein bißchen anders vorgestellt. Danach ein Bier und The Good, The Bad & The Queen. Die geringe Fangemeinde hilft der Sicht und ich bin ganz begeistert. Der inzwischen notwendig gewordene Besuch der Dixi-Toiletten lässt mich meine geplante Bier- und Trinkstrategie für das Wochenende überdenken. Entweder so viel trinken, dass es egal wird oder - die Entscheidung fällt leicht, die Erfahrung war zu eklig, die Situation kann nur noch schlechter werden - ab jetzt trinke ich garnichts mehr. Wir stellen uns zwischen beide Bühnen und hören Dolby Surround. Die Beastie Boys nerven von links, Queens of the Stone Age von vorn, The Blood Brothers von rechts. Nichts klingt wirklich hörenswert. Hoffentlich wird es morgen besser…
Samstag: Über Nacht ist mein Plan gereift und bis Mittags zur Vollendung gekommen: Bis 13.oo Uhr habe ich 2 Liter Wasser verdrückt. Ab jetzt halte ich Abstinenz. Gegen 16.30 Uhr sind wir vor Ort. Frank Black ist mein persönliches Highlight des Wochenendes und er enttäuscht mich nicht. Begeistert singe ich mit, genieße die sich kurzzeitig zeigende Sonne und freue mich über die Schnapsleichen um uns herum. Es ist viel entspannter, jetzt wo die Hälfte der Besucher noch im Koma in den Zelten liegt. Arcade Fire gibt mir einen Vorgeschmack auf den Rest des Abends. Schnelle unmelodiöse Gitarrenriffs, nichts zum Wiedererkennen oder mitsingen. Im Coca-Cola-Zelt ist viel Platz. Es ist trocken und warm. Aufatmend finde ich sogar die Band ganz gut. Danach die Manic Street Preachers. Tolle Performance, alle Achtung. Heute schon 3 gute Bands und eine halbe vorhin beim Vorbeilaufen. Immer wieder Regenschauer. Mittlerweile hat sich der Platz in ein einziges Schlammfeld verwandelt. Mit beherztem Schwung spritzt ein besonders lustiger Zeitgenosse Schlamm in die Menge. Heroisch stehe ich im Weg und versuche meine Begleiter zu schützen. Menschen taumeln durcheinander. Männer nutzen jeden sich bietenden Baum, Zaun, Wagen als Urinal. Die fehlenden Lichter im Dixi-Klo und fehlenden Lampen drumherum machen das Pinkeln zum Glücksspiel. Jedes Passieren der Toiletten lässt in mir die Hoffnung aufkeimen, es noch ein paar Stunden aushalten zu können - und es klappt ganz gut. Dehydrierungserscheinungen minimal. Betrunkene tanzen zur Musik, fallen in den Schlamm, rempeln, lachen hysterisch. Interpol übertrifft meine Befürchtungen um ein Vielfaches. Endlose Langeweile macht sich breit und ich spüre pulsierend Panik in mir aufsteigen und eine Stimme in mir schreien, dass ich jetzt weg muss und keinen einzigen weiteren Ton mehr ertragen kann. Das muss man mir angesehen haben, denn schnellen Schrittes werde ich vom Ort der Qual entfernt und in Sicherheit gebracht. Auf der Autofahrt schalte ich durch die Sender - verzweifelt auf der Suche nach Melodie. Der Schlaf ist tief und lang.
Sonntag: Frischen Geistes erwache ich und bin bereit zu neuen Taten… Gut gelaunt finde ich mich auf dem Gelände wieder. Weniger Regen letzte Nacht. Der Schlamm leicht angetrocknet. Noch mehr Schnapsleichen und noch mehr Platz. Man kann sogar auf dem Boden sitzen. Die Athmosphäre viel entspannter als am Vortag. So lassen sich sogar die Editors ertragen und nicht mal schlecht finden. Sonic Youth ist enttäuschend. Die Band hackt auf ihre Gitarren ein, als gälte es einen Lautstärke-Wettbewerb zu gewinnen. Kim Gordon hüpft halb debil auf der Bühne umher, was mir und meinen Begleitern lediglich ein müdes Lächeln und das Lüpfen einer Augenbraue abringt. Das Highlight des Tages werden Me First and the Gimme Gimmes. Obwohl nur eine Coverband, bestechen sie durch Witz, Charme und tolle Interpretationen alter Klassiker. Lautstark singe ich mit und genieße Umgebung, Sonne und Gesellschaft. Danach erhaschen wir noch ein paar Töne von Placebo und machen uns auf den Heimweg. Leider verpassen wir dadurch Pearl Jam, aber wenn die Arbeit ruft gibt es nunmal kein Halten mehr. Im Auto wird der I-Pod angeschlossen und wir singen lautstark mit. Alles in Allem war es wirklich ein schönes Wochenende. Nur zelten hätte ich nicht wollen und hatten wir zum Glück auch nicht müssen…
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16.6.2007 von sandra.
Nach einem Zwischenstopp bei den Dudelzwergen, einem sehr scharf gewürzten Knoblauchbrot, Kirschbier, einer korpulenten Bauchtanzgruppe und einem fettigen Langos finden wir auf dem Fischmarkt eine Band nach meinem Geschmack. Alte Erfurter Urgesteine, die mit Mundharmonika, Gitarre, Bass und Querflöte alte Klassiker anstimmen und mit denen mich vor vielen Jahren weit mehr verbunden hat als die Musik. Wir setzen uns, trinken noch ein Bier und genießen die Musik. Um uns herum lauter Musiker, die fachmännisch dreinschauen und zustimmend nicken. Für Qualität ist also gesorgt. Die Vergangenheit holt mich ein und ich fühle mich an wilde Jahre erinnert, in denen ich die Erfurter Szene unsicher machte. Schmunzelnd stelle ich fest, dass ich trotz der eingängigen Töne und Stimmen emotional ganz in der Gegenwart und mit meinen Begleitern verwachsen bleibe. Mit einem Bier in der Hand lehne ich mich zurück und lasse mich treiben. Erstaunlich, wie einschneidend sich Musik auf das Leben auswirken kann, wie schnell sich bestimmte Erlebnisse mit Liedern verknüpfen und sich dann immer wieder abrufen lassen, sobald die Lieder ertönen…
Nach dem Konzert treiben uns erneut die Lust auf ein Kirschbier und der Hunger nach irischer Folkmusik. Wir suchen uns einen schönen Platz auf der Mauer und beobachten das Treiben auf und vor der Bühne. Glücklich bewegen wir uns im Takt und freuen uns an den aufsteigenden Emotionen, die wir gemeinsam haben, die uns verbinden und symbolisch für unsere Vergangenheit stehen. Gelegentlich holt jemand Bier. Die Stimmung ist gut. Nach den Iren wieder die Dudelzwerge. Wir sind begeistert. Danach steht nur noch das Feuerwerk auf dem Programm. Es ist kurz aber schön und bildet den perfekten Abschluss eines perfekten Tages.
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16.6.2007 von sandra.
Das nächste Highlight ist die Trommelgruppe, die auf dem Anger aufspielen soll. Als wir ankommen, erwarten uns dort allerdings ein paar herausgeputzte Thüringer Mädchen, die eine Gesangsdarbietung geben. Wir beschließen, etwas für unseren Bierhaushalt zu tun und zu warten. Allerdings scheint sich die Biergartengarnitur gerade für ein Päuschen entschieden zu haben und bockt, als wir unser zartes Gewicht auf die Bank verlagern wollen. Ganz schnell sind wir vom unschuldigen Zuschauer zur Attraktion geworden - und das ganz ohne zu singen oder sich herauszuputzen. Eine andere Bank ist uns freundlicher gesonnen und schon sitzen wir eng an eng, trinken unser Bier und schauen in die Runde. In eine Runde, die aus sturzbetrunkenen und gelegentlich die Bühne erstürmenden Gehörbehinderten, einem sich im Takt wiegenden Obdachlosen, einer Unmenge von Teenagern und Leuten unseren Alters besteht, denen auch ein wenig unbehaglich zumute zu sein scheint. Als einer der Gehörbehinderten auf der Bühne ein Lied anstimmt, das mir zwar gefällt, aber extrem an Tokio Hotel erinnert, leeren wir in großen Schlucken unsere Gläser und flüchten. Einstimmig beschließen wir, dass das eigentliche Highlight eigentlich wir waren und dass wir die Performance wiederholen sollten, wenn das Programm nicht unserem Geschmack entspricht.
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16.6.2007 von sandra.
Die Wurst war köstlich. Frisch gestärkt befriedigen wir ein typisch weibliches Bedürfnis, das sich immer einstellt wenn man zu zweit in einer Einkaufszone unterwegs ist. Zwei paar Schuhe und eine Tasche später machen wir uns auf den Weg zum ersten kulturellen Highlight des Tages - den Dudelzwergen. Mit wundersam und ganz und garnicht traditionell anmutenden Dudelsäcken, Trommeln und einer Gitarre haben sie sich unter die Massen gemischt und spielen mittelalterlich auf. Die Stimmung brodelt, die Musik passt perfekt zur Kulisse der Altstadt und wir sind glücklich. Eine Regenwolke schiebt sich träge vorbei und man kann ihr direkt ansehen, wie schwer ihr die Entscheidung fällt, mit dem Freilassen ihres kühlen Inhaltes das feiernde Volk in alle Richtungen zu vertreiben. Sie wartet das Ende der Veranstaltung ab und gibt uns genügend Zeit, uns mit einem Eis bewaffnet von Unterstand zu Unterstand zu hangeln. Schon lange kein Bier mehr gehabt, also auf zum nächsten Highlight.
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16.6.2007 von sandra.
Das Wetter hat sich wie erwartet gebessert. Erlebnishungrig machen wir uns auf den Weg. Große Biene Maja Party auf dem Anger mit Memoryspiel am Toys’R'Us-Stand. Betreten stellen wir mal wieder fest, dass wir das zulässige Höchstalter überschritten haben. Dann müssen eben andere Events her. Turmbesteigung in der Ägidienkirche. Touristen drängen, Rucksäcke verhaken sich, von unten zwängt sich Blasmusik in unsere Ohren. Verwirrt kämpfe ich mit dem Versuch, die Aussicht auf mich wirken zu lassen. Der Abstieg reißt mich aus dem Wahn. Wir folgen dem Ruf des Kirschbieres. Mit einem Stift bewaffnet kreisen wir die Highlights ein. Die Sonne brennt verlockend, die Massen drängen, die Gera reagiert merklich kühl auf unsere Füße und verweigert standhaft den Einlass. Gleich lassen wir uns eine Bratwurst spendieren. Echte Thüringer. Wieder ein Bier. Das geht gut los.
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