Archiv der Kategorie Wochenende

Sonntag am Strand

Ostsee. Bikini. Volleyball. Fußball. Frisbee. Sonnencreme. Überall Sand. Zu Hause glüht die Haut noch nach und duftet nach Sonne. Und das Anfang Mai.

Die Wahrheit liegt im Wein

Das Seminar ist abgeschlossen. Erleichterung hallt durch den dunklen Raum. Schnell raus in die Sonne. Beschwingt bahnen wir unseren Weg, glücklich über unsere wiedererlangte Freiheit. Dieser führt uns zum Studentenwohnheim, wo es einen schönen großen Innenhof gibt. An einem Tisch machen wir es uns gemütlich und befüllen den ganzen Nachmittag Weinblätter mit einer herrlich duftenden Masse aus Fleisch, Reis, Gemüse und vielen Gewürzen. Als sie endlich fertig gekocht sind, haben wir uns schon die Mägen mit Brot, Salat und Humus vollgeschlagen. Die Weinblätter sind köstlich. Dazu trinken wir Wein, Raki und Bier. Ein Bewohner des Wohnheims holt seine Wasserpfeife. In Decken gehüllt und vollkommen satt rauchen wir Orangentabak und unterhalten uns über Gott und die Welt. Aufbruchstimmung. Zu dritt hieven wir uns auf unsere Räder, kaum in der Lage, noch ein paar Kilometer zu fahren. Ob ich türkischen Kaffee will? Na klar. Eine perfekte Abrundung eines perfekten internationalen Abends. Wir spielen noch ein paar Runden Meier, bevor ich mich auf den Heimweg mache. Herrlich, mal keine Termine zu haben und sich einfach treiben zu lassen. So muss ein Wochenende sein…

Pure Verschwendung

Samstag und Sonntag Seminar. Schon das zweite Wochenende in Folge. Es nennt sich Übungsleiter-Grundkurs und ein erster Einstieg in die Tauchausbildung. Wir sitzen da und lauschen minder interessiert Erklärungen über die richtige Ernährung. Ja, ich weiß, dass tierische Fette böse sind und dass man ganz viel Obst und Gemüse essen muss. Ich weiß, dass Schokolade schlecht ist und neben hungrig auch die Zähne kaputt macht. Das Einzige was ich nicht weiß ist der Zusammenhang zur Tauchausbildung, bzw. zu irgendeinem anderen Freizeitsport. Während ich noch darüber grüble, wie die Tauchschüler gucken würden, wenn ich ihnen vor dem Unterricht erstmal einen Vortrag über ihre Ernährung hielte, beginnt der nächste Themenkomplex. Ist Dehnen nach dem Sport gut oder nicht? Die Frage hängt dick, schwer und klebrig im Raum. Eine leichte Brise lässt sie hypnotisch hin- und herschwingen. Ich kämpfe mit meinen Augenlidern. Draußen herrlichster Sonnenschein, drinnen die Frage, die mit kalten Fingern nach meinem Hirn greift, das müde sein Interesse verweigert. 2 Stunden später hängt sie dort immernoch. Jetzt kommt der Referent endlich auf den Punkt. Er persönlich ist ja gegen das Dehnen, aber die Wissenschaft ist sich nicht einig. Aha. Fazit: jeder soll machen was er will. Das würde ich gern wörtlich nehmen und einfach den Raum verlassen. Dumpfe Wut beschleicht mich. Ein Thema, das in 2 Sätzen hätte abgehandelt sein können, wurde sinnloserweise auf 2 Stunden ausgedehnt. Verschwendung von Lebenszeit. Mich durchzucken Phantasien, was ich während der 3 Wochen dieses sinnlosen Kurses alles hätte tun können. Tauchen gehen. Nach Berlin/Leipzig/Erfurt/London fahren. Mir in Kneipen und Clubs Nächte um die Ohren schlagen. Besuch kriegen, zum Beispiel aus Irland. Joggen gehen. Meine Steuererklärung machen. 1000 Dinge, die angenehmer sind, als hier zu sitzen und mir irrelevantes sportliches Hintergrundwissen anzuhören. Ich kann fühlen, wie ich altere. Kann man sich zu Tode langweilen? Geht das? Es fühlt sich fast so an. Ohh, jetzt gehen wir zum Praxisteil über. Dehnungsübungen. Wie toll! Statt am Muskel zerrt diese Veranstaltung an meinen Nerven. 3 verschwendete Wochenenden. Und was liegt dazwischen? Arbeit. Ich weiss nicht, was schlimmer ist. Doch, jetzt fällt es mir ein. Die Klausur ist schlimmer. Die Klausur in der all der Unsinn noch einmal abgefragt wird. Die Klausur, die mich zwingt, nach der Arbeit in die Unterlagen zu schauen und zu lernen. Warum tue ich mir das nur an?

Der erste Tauchgang

Die sommerlichen Temperaturen laden zum Tauchen ein. Also Zeug gepackt, auf den Rücksitz gehüpft und los gehts. Die Fahrt anstrengend. Stau und Hitze. Alle Welt ist auf dem Weg zur Ostsee. Ankunft verschwitzt und müde. Der Check der Lage ergibt schlechte Sicht. Weites Rausschwimmen erforderlich - Tauchschülern sei dank. Wassertemperatur niedrig genug, um einen Shorty, einen Anzug und eine Eisweste zu tragen. Fast 10 Kilo Blei lassen mich schwanken. Der kühle Wind vermag die Neoprenschichten nicht zu durchdringen. Vollkommen angekleidet schwitze ich unmenschlich und möchte nur noch ins Wasser. Warum kriege ich meine Flossen nicht an? Zum Glück ist Tauchen ein Partnersport. Beim Rausschwimmen schnaufe ich stilecht wie ein Walross. Die Wellen spritzen salziges Wasser in meinen Mund. Endlich da. Zu Atem kommen. Abtauchen. Neuer Versuch. Ganz tief ausatmen und abtauchen. Endlich klappts.
Das Wasser schön kühl. Der Boden kommt näher. Man kann erste Muscheln erkennen. Krebse flitzen über den Sand. Aalmuttern schlängeln sich herum. Seesterne umschlingen Krustentiere. Jetzt ruhig atmen, um nicht zuviel Luft zu verbrauchen und über dem Boden entlanggleiten. Meine Wasserlage ist schlecht. Der Bleigurt verrutscht, zieht mich links herunter. Meine Füße haben zuviel Auftrieb. Ich kämpfe mit mir und dem Equipment. Ist das immer so beim ersten Mal? Der Rückweg geht besser. Entspannung auf 6 m Tiefe. Eine angenehme Tiefe wo selbst meine Füße mal dort sind wo sie hingehören. Wir kommen in Ufernähe. Die Sicht wird schlechter. Wir halten uns aneinander fest. Dort ist ein blauer Wurm, der sich in den Boden eingräbt.
Wieder am Ufer. Der Tauchgang beendet. Der Bleigurt liegt sexy tief auf meiner Hüfte und der Rest des Equipments stützt sich schön auf ihm ab. Meine Beine versagen ihren Dienst. 20 Kilo auf der Hüftmuskulatur - das macht kein Bein mit. Wir lösen den Gurt und ich transportiere ihn in der Hand. Der Weg zum Auto ist beschwerlich. Der Gurt zieht meine Arme immer länger. Die Finger wollen ihn nicht mehr halten. Aber irgendwo muss der Tauchsport ja auch an Sport grenzen. Endlich da. Zeug abwerfen und wegpacken. Ich bin total kaputt, aber auch sehr froh, mal wieder tauchen gewesen zu sein. Das nächste Mal kann es nur besser werden. Abends wird gegrillt. Wir sehen uns zufrieden an, während wir wie ausgehungert die dritte Wurst verdrücken. Ein schöner Tag. Ein tolles Hobby. Ein fantastischer Sport.

Der erste Sonnenbrand

Es ist Sonnabend. Der erste Sonnabend seit langem, den ich in Hamburg verbringe. Frühstück zur Mittagszeit. Ich sitze im T-Shirt auf der Biergartengarnitur und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Schlendern über den Flohmarkt. Mein Kaufinteresse ist gering, die Athmosphäre aber sehr ansprechend. Jetzt ein schönes Plätzchen außerhalb eines Cafés gesucht und den Rest des Nachmittages nicht mehr aus der Sonne gegangen. Ich ziehe meine Schuhe aus, lege die Füße hoch und beobachte über mehrere Stunden hinweg die Leute um mich herum. Genuss pur. Am Abend stelle ich fest, dass ich einen leichten Sonnenbrand habe und meine Sommersprossen zum Leben erweckt wurden. Mehr davon!

Reeperbahn

Menschenmassen schieben sich über die Reeperbahn. Ich versuche den Anschluss an meine 2 Begleiterinnen zu halten und nicht abgetrieben zu werden. Zielgerichtetes Streben in Richtung Hans-Albers-Platz. Erst einmal ein Kurzer zum Anwärmen. Tomatensaft mit Schuss. Lecker, aber irgendwie fehlen die Nudeln dazu. Dann gehen wir ins Frieda B. Wir erkennen eine deutliche Differenz zwischen unseren und den Alkoholpegeln der Umstehenden. Schnell aufholen. Wir bestellen ein Bier und suchen uns einen akzeptablen Platz. Passend beginnt die Schlagerrunde. Nicht so lustig, wenn man nicht betrunken ist. Ich nehme einen Schluck. Wir machen uns ein bißchen Stimmung und tanzen einfach mit. Wer ist das da an meinem Hintern? Sebastian. Aha. Er wußte keinen besseren Weg, um mich anzusprechen. Interessant. Warum auch lange rumquatschen, wenn man gleich zum Wesentlichen kommen kann. Er will mich also ins Bett bekommen. Na, wenigstens ehrlich. Hat allerdings in den unteren Regionen nicht viel zu bieten, ist egoistisch, bei der Bundeswehr und hat eine Freundin, deren Ring er sogar trägt. Interessante Argumentation. So macht man das also heute. Erstmal alle Ausschlußkriterien nennen und dann hoffen, dass sie trotzdem darauf eingeht. Man lernt nie aus. Wenigstens springen ein paar Getränke raus. Nebenbei packt sein Kumpel zur allgemeinen Begutachtung schonmal sein bestes Stück aus. Aha. Ich komme mir fast vor wie in Irland - wenn nur der Schlager nicht wäre. Neue Kneipe, neues Glück. Hier ist die Musik viel besser und die Kurzen schmecken auch. Es wird getanzt. Die nächste Kneipe ist überfüllt mit gealterten Junggesellen ab Mitte 30 aufwärts, die nach frischen 18jährigen Ausschau halten. Solariumbräune inklusive. Schnell weg. Aus allen Türen erschallt Schlager- und Chartmusik. Es ist schon um 4. Zeit, den Abend abzubrechen und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Ach ja, nun noch Sebastians Nummer löschen…

Der Ruf der Heimat

Tönt mit deutlich zunehmender Vehemenz und zieht mich magisch an. In den Schoß der Familie fallen und mich geborgen fühlen, Geburtstage feiern und Freude verbreiten, Freunde und Geschwister treffen und durch Kneipen ziehen. Über Felder joggen, in der Sonne liegen, vielleicht sogar die erste Bratwurst des Jahres genießen. Schönes Wochenende!

Sonntag Morgen

8:25 Uhr. Der Wecker klingelt mich wach, reißt mich aus den Tiefen eines angenehmen und ausnahmsweise sorgenlosen Traumes und zerrt mich an die Oberfläche, wie eine Ertrinkende. Noch klammere ich mich am Nebel fest, der mich und mein Gehirn umgibt, nicht wahrhaben wollend, dass ich selbst noch wenige Stunden zuvor voller Enthusiasmus und Tatendrang entschieden hatte, so früh aufzustehen. Blinzelnd öffne ich die Augen und versuche mich der Realität des Tages zu stellen. Die Glieder schwer, schiebe ich sie langsam unter der Decke hervor. Weg von der Wärmflasche, die mich anfleht noch ein bisschen bei ihr zu bleiben. Sonnenstrahlen kämpfen sich durch den Vorhang. Nicht ohne Kraft, wie ich bewundernd und müde erfreut feststelle. Mit noch steifen Gliedern ziehe ich mir ein paar Sachen über und bereite mich auf den nächsten Punkt in meinem Wochenendplan vor: Schwimmen gehen. Sonntag morgens um 9. Wie erhofft empfängt mich draußen ein herrlicher Sonnenschein und mit geschlossenen Augen genieße ich die Wartezeit an der S-Bahn und am Bus. Ich werde zu spät kommen, aber wen stört das schon im Angesicht eines ersten Frühlingsgrußes. Das Schwimmbad ist in herrliches Licht getaucht, welches sich im Wasser spiegelt. Mein Körper rebelliert noch gegen die bevorstehende Berührung mit dem kühlen Nass, doch der Geist ist motiviert, standhaft verleugnend, dass sich die schon wärmende Kraft des Lichtes nicht auf das Wasser erstrecken wird. Bahn für Bahn kehren meine Lebensgeister zurück. Unvergleichlich der Blick durch die Brille, die Klarheit der Sicht, die Strahlen unter Wasser, Menschenkörper, die wie in Zeitlupe vorbeiziehen. Unter Wasser kommt es mir so vor, als würde das Leben anders ticken, Uhren langsamer gehen, Unbeschwertheit Einzug halten. Ich fühle mich glücklich, beflügelt… hungrig? Ja, hungrig! Ein paar Bahnen später zieht es mich wieder hinaus. Ein Spaziergang, Sonne, Glückshormone, die mich durchdringen wie schon lange nicht mehr. Ein Café, ein Kaffee, Orangensaft, Brötchen und Croissant. Zufrieden zurückgelehnte Sozialstudien, ein Lächeln um die Mundwinkel, sich einschleichende Mattheit und erste Gedanken an die Attraktivität und Anziehungskraft meines Bettes, ach, jedes Bettes. Horizontale Träume durchfließen mich in leichten Wellen. Jetzt nur noch nach Hause und den Rest des Tages ausruhen.