Krämerbrückenfest, die Dritte

Das nächste Highlight ist die Trommelgruppe, die auf dem Anger aufspielen soll. Als wir ankommen, erwarten uns dort allerdings ein paar herausgeputzte Thüringer Mädchen, die eine Gesangsdarbietung geben. Wir beschließen, etwas für unseren Bierhaushalt zu tun und zu warten. Allerdings scheint sich die Biergartengarnitur gerade für ein Päuschen entschieden zu haben und bockt, als wir unser zartes Gewicht auf die Bank verlagern wollen. Ganz schnell sind wir vom unschuldigen Zuschauer zur Attraktion geworden - und das ganz ohne zu singen oder sich herauszuputzen. Eine andere Bank ist uns freundlicher gesonnen und schon sitzen wir eng an eng, trinken unser Bier und schauen in die Runde. In eine Runde, die aus sturzbetrunkenen und gelegentlich die Bühne erstürmenden Gehörbehinderten, einem sich im Takt wiegenden Obdachlosen, einer Unmenge von Teenagern und Leuten unseren Alters besteht, denen auch ein wenig unbehaglich zumute zu sein scheint. Als einer der Gehörbehinderten auf der Bühne ein Lied anstimmt, das mir zwar gefällt, aber extrem an Tokio Hotel erinnert, leeren wir in großen Schlucken unsere Gläser und flüchten. Einstimmig beschließen wir, dass das eigentliche Highlight eigentlich wir waren und dass wir die Performance wiederholen sollten, wenn das Programm nicht unserem Geschmack entspricht.

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Krämerbrückenfest, die Zweite

Die Wurst war köstlich. Frisch gestärkt befriedigen wir ein typisch weibliches Bedürfnis, das sich immer einstellt wenn man zu zweit in einer Einkaufszone unterwegs ist. Zwei paar Schuhe und eine Tasche später machen wir uns auf den Weg zum ersten kulturellen Highlight des Tages - den Dudelzwergen. Mit wundersam und ganz und garnicht traditionell anmutenden Dudelsäcken, Trommeln und einer Gitarre haben sie sich unter die Massen gemischt und spielen mittelalterlich auf. Die Stimmung brodelt, die Musik passt perfekt zur Kulisse der Altstadt und wir sind glücklich. Eine Regenwolke schiebt sich träge vorbei und man kann ihr direkt ansehen, wie schwer ihr die Entscheidung fällt, mit dem Freilassen ihres kühlen Inhaltes das feiernde Volk in alle Richtungen zu vertreiben. Sie wartet das Ende der Veranstaltung ab und gibt uns genügend Zeit, uns mit einem Eis bewaffnet von Unterstand zu Unterstand zu hangeln. Schon lange kein Bier mehr gehabt, also auf zum nächsten Highlight.

Krämerbrückenfest, die Erste

Das Wetter hat sich wie erwartet gebessert. Erlebnishungrig machen wir uns auf den Weg. Große Biene Maja Party auf dem Anger mit Memoryspiel am Toys’R'Us-Stand. Betreten stellen wir mal wieder fest, dass wir das zulässige Höchstalter überschritten haben. Dann müssen eben andere Events her. Turmbesteigung in der Ägidienkirche. Touristen drängen, Rucksäcke verhaken sich, von unten zwängt sich Blasmusik in unsere Ohren. Verwirrt kämpfe ich mit dem Versuch, die Aussicht auf mich wirken zu lassen. Der Abstieg reißt mich aus dem Wahn. Wir folgen dem Ruf des Kirschbieres. Mit einem Stift bewaffnet kreisen wir die Highlights ein. Die Sonne brennt verlockend, die Massen drängen, die Gera reagiert merklich kühl auf unsere Füße und verweigert standhaft den Einlass. Gleich lassen wir uns eine Bratwurst spendieren. Echte Thüringer. Wieder ein Bier. Das geht gut los.

Heimat

Heimischer Boden den ich küssen könnte. Wertvolle Gesellschaft. Abholservice. Essen auf dem Herd. Nette Gespräche bei Erdbeer-Limes und Rotkäppchensekt. Alles ganz vertraut. Geborgenheit breitet sich wärmend aus und zerstreut Sorgen und Ärgernisse. Der Regen plätschert, die Lust ist groß und der Raum hängt voller Zuversicht. Es ist schön, in der Ferne zu wohnen. Es ist wichtig, eine Heimat zu haben, in die man gerne zurückkehrt. Unbezahlbar, diese Heimat als etwas Besonderes und nicht als etwas Alltägliches empfinden zu dürfen. Wie ein Schatz, den man tief im Herzen hütet.

Joggen im Park

Samstag Morgen. Joggen. Ich laufe los und versuche, mir den Weg zu merken. Der Park ist schnell gefunden, doch auch schnell wieder zu Ende. Mein hilfesuchender Blick landet auf zwei Joggern, die zielstrebig vorbeilaufen. Ich hinterher. Nicht lange, da führt uns der Weg in einen weiteren und viel größeren Park. Als ich mich sicher fühle, trenne ich mich und setze meinen eigenen Weg fort. Ein See, Gänse, Wiesen und Bäume, darüber die schon jetzt viel zu heiße Sonne. Viel Polizei unterwegs. Seltsam. Hier darf man bestimmt nicht grillen - so wie in Hamburg überall. Ich kämpfe mich voran und laufe ein paar Runden. Die Zielzeit ist erreicht, da drehe ich ab und versuche, meinen Weg zur rettenden Dusche zu finden. Man sollte meinen, das wäre leicht. Bin ich von hier gekommen? Hmmm. Scheinbar war ich doch zu sehr auf die Jogger fixiert. Die Minuten vergehen, da finde ich zumindest aus dem Park heraus. Jetzt den kleinen Park finden. Die Adresse habe ich mir nicht gemerkt. Handy habe ich nicht dabei. Ratlos bleibe ich stehen. Im Zeitalter der digitalen Kommunikation gibt es sowas wie Telefonnummern und Adressen merken nicht mehr. Alles läuft über eMail oder den Handyspeicher. Ich bin total ratlos und frage mich, ob es sich bei den vielen Suchmeldungen die immer im Radio laufen (”seit heute Mittag wird ein 63jähriger Mann vermisst, er trägt eine braune Strickjacke und ist geistig verwirrt”) eigentlich um dehydrierte Jogger handelt, die den Rückweg nicht gefunden haben. Während mein Hirn noch mit der Entscheidung kämpft in Panik oder Gelächter auszubrechen, inspiziere ich die Gegend. Tennisplatz. Hier bin ich doch vorhin vorbeigekommen. Glaube ich. Eventuell. Tischtennisplatten. Ja, auch die kommen mir bekannt vor. Und plötzlich der rettende Ausweg, die Kreuzung, der Fahrradladen - alles wird gut. Mein Hirn ist verwirrt und entscheidet sich für Durstsignale. Der falsche Hauseingang, fast die falsche Wohnung. Schnell korrigieren und dann frohen Mutes in den Tag starten.

Die Vielfalt der Transportmittel

Salzbergwerk Berchtesgaden. Wir werfen uns in strapazierfähige und durchaus ansehnliche Bergwerksanzüge. Zugfahrt durch schmale Tunnel. Kühle schlägt uns entgegen. Bin ich die Einzige hier, die kein Bayerisch versteht? Wo ist mein Dolmetscher? Egal. Einfach alles mit- und nachmachen. Nach einer kleinen Lasershow mitten im Berg nehmen wir zu dritt auf einer Rutsche Platz, die uns 34m in die Tiefe führt. Mit begeistert in den Vordermann verkrampften Fingern schreien wir unser Glück hinaus. Ob man auf diese Weise einen Bergrutsch auslösen könnte? Egal. Einfach weitermachen. Salzverkostung an der Bergwand. Wieviele Leute hier täglich ihre Bakterien hinterlassen? Egal. Einfach in den Mund mit dem Finger. High-Tech mitten im Berg. An einem anschaulichen Modell wird uns der Salzabbau erläutert. In Hochdeutsch. Sind wir die Einzigen hier die das verstehen? Egal. Das ist nur ausgleichende Gerechtigkeit. Wieder eine Rutsche. Diesmal länger und ich vorne. Einfach herrlich. Das nächste Highlight ist die Bootsfahrt auf dem Spiegelsee. Andächtiges Blicken auf das Wasser, während wir sanft dahingleiten. An den Decken Lichtprojektionen. Ob sowas normal ist im Berg? Egal. Naivität macht das Leben viel spannender. Salzi springt uns entgegen - das kleine sprechende Salzkristall. Wie süß. Ich wußte, es gibt da noch mehr zwischen Himmel und Erde. “Hallo Salzi! Ja, es hat mir gefallen. Viel Spaß noch hier unten im Dunkeln. Ich geh dann mal.”
Fahrt mit dem alten Bergwerksfahrstuhl. Und dann wieder der Zug. So eine Transportvielfalt hatte ich noch nie in einem Bergwerk. Ich bin begeistert. Ob ich Salzi jemals wiedersehen werde? Egal. Ich hab ja den Sandmann.

Berge, Wälder und Strukturen

Die Sonne drückt, die Fahrt ist rasant, das Auto ein Stück Heimat, die Begleitung mehr als vertraut. Entspannt lehne ich mich zurück und sehe die Welt an mir vorbeifliegen. Endlich wieder Berge und dichte Wälder, durch die wir uns schlängeln und die nach 2 Monaten Daueraufenthalt in Hamburg tiefgründige Wohlgefühle in mir aufsteigen lassen. In der Ferne der Chiemsee. Gespickt mit Segelboten glänzt er in der Sonne. Überall Strukturen. Mehr als nichtssagendes Plattland das einen nach zwei Monaten unablässig anzugähnen schien. Berge hoch genug, um Schnee anzulocken und Wolken einzufangen. Wälder die in wenigen Wochen von Pilzen überzuquellen versprechen. Motorradfahrer legen sich tief in die Kurven. Mein Körper drückt gegen die Tür. Und wie früher schwingt die leichte Angst mit, sie könnte sich öffnen und ihren schockierten Inhalt auf die Straße ergießen. Wie ich das liebe. Wie ich das vermisse. Es ist nicht ganz so gut wie Thüringen, aber fast.

Abschied nehmen

‘Warum müssen persönliche Erfolge und Veränderungen immer auch mit denen anderer verknüpft sein?’, frage ich mich vor allem dieser Tage immer mehr. Zwei Jahre vorgesetzt und doch oder gerade deshalb lieb gewonnen. Der Abschied rückt näher. Ich spüre es am steigenden Druck. Wir haben ein Geschenk gebastelt, uns Gedanken und Fotos gemacht, Texte geschrieben. Übergabe beim großen und ganz privaten Abschiedsessen. Rührung, die die eigene Stimmung katalysiert und ein extremes Maß an Selbstbeherrschung erforderlich macht. Gespräche über Vergangenheit und Zukunft. Ausgelassenheit und Trauer vereint. Die hinterlassene Lücke wird groß und schwer zu füllen sein. Jeden Tag mein Bestes geben und versuchen, ihr halbwegs gerecht zu werden. Motivieren und Unwegbarkeiten überwinden. Das ist das Motto der kommenden Wochen, Monate, Jahre? Bis auch ich gehe und jemand meinen Platz einnehmen muss…

Wunderwelt Ostsee

Viele Taucher zieht es in südliche Gefilde. Das Mittelmeer, die Karibik, Australien, Südafrika - große bunte Fische, bunte Nacktschnecken, tolle Vegetation. Doch dass es auch in der Ostsee ganz schön viel zu sehen gibt, habe ich jetzt auf einem Meeresbiologie-Seminar erfahren dürfen. Was vorher wie ein Grashalm aussah, hat sich jetzt in eine Seenadel verwandelt. Die weißen Punkte auf den Miesmuscheln sind Seepocken, die mit winzigen Fingern nach Nahrung greifen. Die kleinen sandigen Kringel auf dem Boden die Ausscheidungen von Wattwürmern. Das pflanzliche Gewirr auf den Felsen verschiedene Algenarten. Überall wimmelt es von Leben. Garnelen, Flohkrebse, Krabben, Rippen- und Ohrenquallen, Seesterne…. Es ist, als hätte jemand ein Märchenbuch aufgeklappt und als wäre man direkt in die Welt hineingefallen. Echt toll und absolut empfehlenswert. Ich bin fasziniert und begeistert :-). Tauchen 4ever!

Sonntag am Strand

Ostsee. Bikini. Volleyball. Fußball. Frisbee. Sonnencreme. Überall Sand. Zu Hause glüht die Haut noch nach und duftet nach Sonne. Und das Anfang Mai.